Fünf Sekunden für den ersten Eindruck
Ein typisches Beispiel: Angenommen, Frau L. hatte einen Unfall. Die gegnerische Versicherung zahlt nicht. Sie sucht am Handy nach einem Anwalt für Verkehrsrecht und öffnet nacheinander drei Kanzlei-Websites.
Die erste zeigt ein bildschirmfüllendes Foto einer Bibliothek und darunter „Herzlich willkommen“. Sie scrollt, findet eine Liste von zwölf Rechtsgebieten und schließt die Seite. Die zweite blendet sofort ein Fenster ein, das nach einem Newsletter fragt. Die dritte sagt oben: „Unfall? Wir setzen Ihre Ansprüche gegenüber der Versicherung durch – in Dortmund und Umgebung.“ Darunter ein Knopf „Jetzt anrufen“ und der Hinweis, dass man Unterlagen auch per Foto schicken kann.
Gut möglich, dass Frau L. hier anruft. Die Entscheidung fällt dann, bevor sie einen einzigen Absatz gelesen hat.
So oder ähnlich läuft es oft. Besucher entscheiden in Sekunden, ob sie bleiben. Eine gute Startseite und gute Landingpages sorgen dafür, dass diese Sekunden für Sie arbeiten.
Warum Sie zuerst ans Handy denken müssen
Im September 2026 kamen in Deutschland knapp 60 Prozent des Web-Verkehrs von Mobilgeräten (Statcounter (externer Link)). Google verwendet für die Indexierung und das Ranking die mobile Version einer Website (Google: Mobile-First-Indexierung (externer Link)). Was auf dem Handy fehlt oder versteckt ist, fehlt also auch für Google.
Planen Sie deshalb jede Seite zuerst für den kleinen Bildschirm und erweitern Sie sie dann für den Computer – nicht umgekehrt.
Die sieben Handy-Regeln
- Telefonnummer als Link. Ein Tipp, und das Telefon wählt. Am besten zusätzlich ein Anruf-Knopf, der beim Scrollen sichtbar bleibt.
- Lesbare Schrift. Fließtext so groß, dass niemand zoomen muss, und genug Abstand zwischen den Zeilen.
- Große Tippflächen. Links und Knöpfe so groß und mit so viel Abstand, dass man sie mit dem Daumen trifft.
- Keine Einblendungen beim Start. Newsletter-Fenster, Chat-Blasen und große Cookie-Hinweise verdecken genau das, was Besucher suchen.
- Kurze Formulare. Name, Telefon oder E-Mail, kurzes Anliegen. Jedes weitere Pflichtfeld kostet Anfragen.
- Schnelles Laden. Große Bilder verkleinern, auf Schieberegler (Slider) verzichten, Fremddienste reduzieren. Mehr dazu in Teil 10 dieser Serie.
- Adresse mit Routenlink. Ein Link, der die Adresse direkt in der Karten-App öffnet, ist datensparsamer und schneller als eine eingebettete Karte.
Die zehn Bausteine einer überzeugenden Startseite
Nicht jede Kanzlei braucht alle zehn Bausteine in derselben Länge. Die Reihenfolge hat sich aber bewährt: Das Wichtigste steht oben.
1. Die Kernaussage
Ein Satz, der sagt, für wen Sie was tun und wo. „Arbeitsrecht für Arbeitnehmer in Mainz – Kündigung, Abfindung, Zeugnis.“ Keine Begrüßungsfloskel, kein Motto ohne Inhalt.
2. Der Kontaktweg
Direkt unter der Kernaussage: Telefonnummer als Link, Erreichbarkeit („Mo–Fr 8–18 Uhr“) und ein zweiter Weg für alle, die lieber schreiben. Wenn Sie in dringenden Fällen schnell reagieren, sagen Sie es.
3. Die Rechtsgebiete
Zwei bis fünf Rechtsgebiete als Kacheln oder kurze Liste, jeweils mit einem Satz und einem Link zur eigenen Seite. Lange Listen mit 15 Gebieten wirken beliebig.
4. Die Menschen
Fotos und Namen der Anwältinnen und Anwälte, mit Fachanwaltstiteln und Schwerpunkten. Menschen vertrauen Menschen, nicht Logos. Jede Person bekommt eine eigene Seite mit mehr Details.
5. Belegbare Vertrauenssignale
Fachanwaltstitel, Jahre der Tätigkeit, Sprachen, Mitgliedschaften, echte Bewertungen mit Quelle. Alles muss stimmen und darf nicht irreführend sein (§ 6 BORA (externer Link), § 5 UWG (externer Link)). Was Sie dabei beachten müssen, erklärt Teil 3 dieser Serie.
6. So läuft es ab
Drei oder vier Schritte: Kontakt, erstes Gespräch, Einschätzung, Vertretung. Das nimmt Unsicherheit, besonders bei Menschen, die zum ersten Mal einen Anwalt brauchen.
7. Was es kostet
Mandanten fragen sich das, bevor sie anrufen. Sie müssen keine Preisliste veröffentlichen, aber Orientierung geben: wie das erste Gespräch abgerechnet wird, dass Sie vorher über Kosten sprechen, wann eine Rechtsschutzversicherung zahlen kann.
8. Standort und Erreichbarkeit
Adresse, Anfahrt, Parken, barrierefreier Zugang, Online-Termine. Bei mehreren Standorten jeweils eine eigene Seite.
9. Antworten auf häufige Fragen
Drei bis fünf kurze Fragen und Antworten, etwa „Muss ich für einen Termin persönlich kommen?“ oder „Wie schnell bekomme ich einen Termin?“.
10. Pflichtangaben
Impressum und Datenschutzerklärung im Fußbereich, von jeder Seite aus mit einem Klick erreichbar. Was ins Impressum einer Kanzlei gehört, erklärt Teil 22 dieser Serie.
Kernaussagen nach Rechtsgebiet: Beispiele
Die Kernaussage ist der schwierigste Satz der ganzen Website. Diese Beispiele zeigen, wie konkret er sein darf. Passen Sie Ort, Zielgruppe und Anliegen an Ihre Kanzlei an.
| Rechtsgebiet | Statt | Besser |
|---|---|---|
| Arbeitsrecht | „Ihr Partner im Arbeitsrecht“ | „Kündigung, Abfindung, Zeugnis: Wir vertreten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Mainz.“ |
| Familienrecht | „Kompetente Beratung im Familienrecht“ | „Trennung und Scheidung in Kassel: Wir begleiten Sie ruhig und klar – auch wenn es um die Kinder geht.“ |
| Verkehrsrecht | „Wir helfen Ihnen weiter“ | „Unfall, Bußgeld, Fahrverbot: Wir setzen Ihre Rechte in Dortmund durch – Unterlagen gern per Foto.“ |
| Strafrecht | „Strafverteidigung mit Erfahrung“ | „Vorladung oder Durchsuchung? Wir sind für Beschuldigte in Leipzig erreichbar – auch am Wochenende.“ |
| Erbrecht | „Erbrecht und Nachfolge“ | „Testament, Pflichtteil, Erbstreit: Wir beraten Familien in Freiburg und Umgebung.“ |
| Mietrecht | „Mietrecht aus einer Hand“ | „Mieterhöhung, Kündigung, Nebenkosten: Wir vertreten Mieter in Köln.“ |
Zwei Hinweise: Versprechen wie „auch am Wochenende“ gehören nur auf die Seite, wenn sie stimmen. Und wenn Sie für mehrere Zielgruppen arbeiten, etwa Mieter und Vermieter, sagen Sie das offen, statt sich zu verbiegen.
Erreichbarkeit: der unterschätzte Baustein
Die beste Startseite nützt wenig, wenn niemand ans Telefon geht. Viele Anfragen kommen abends und am Wochenende, besonders bei dringenden Anliegen. Klären Sie deshalb, bevor Sie an der Website feilen:
- Wer nimmt Anrufe an, und was passiert, wenn niemand abhebt? Eine Bandansage mit dem Hinweis, wann zurückgerufen wird, ist besser als Klingeln ins Leere.
- Wie schnell werden E-Mails und Formulare beantwortet? Nennen Sie eine realistische Zeit auf der Website, etwa „Wir melden uns am nächsten Werktag“.
- Gibt es einen Weg für Notfälle? Im Strafrecht ist eine Notfallnummer oft entscheidend. In anderen Rechtsgebieten reicht ein klarer Hinweis, wie schnell Sie reagieren.
- Lassen sich Termine online buchen? Für viele Menschen ist das die einfachste Form der Kontaktaufnahme. Was Sie dabei beachten sollten, zeigt Teil 20 dieser Serie.
Prüfen Sie Ihre Erreichbarkeit regelmäßig selbst – mit einem Anruf zu einer ungünstigen Uhrzeit.
Der Aufbau von oben nach unten
So sieht eine bewährte Startseite auf dem Handy aus:
| Bereich | Inhalt | Ziel |
|---|---|---|
| Kopf | Logo, Menü, Anruf-Knopf | Orientierung, sofortiger Kontakt |
| Erster Bildschirm | Kernaussage, Telefon, zweiter Kontaktweg | In fünf Sekunden klar: richtig hier |
| Rechtsgebiete | 2–5 Kacheln mit Link | Weg zur passenden Seite |
| Menschen | Fotos, Titel, Schwerpunkte | Vertrauen |
| Ablauf und Kosten | 3–4 Schritte, Kostenorientierung | Unsicherheit nehmen |
| Vertrauenssignale | Bewertungen, Mitgliedschaften | Bestätigung |
| Häufige Fragen | 3–5 Fragen | Letzte Hürden abbauen |
| Fuß | Adresse, Routenlink, Öffnungszeiten, Impressum, Datenschutz | Pflicht und Service |
Landingpages für Anzeigen
Eine Landingpage ist die Seite, auf der Besucher nach dem Klick auf eine Anzeige landen. Hier gelten strengere Regeln als für die Startseite, denn jeder Klick kostet Geld.
Warum nicht einfach die Startseite?
Wer „Anwalt Kündigung Dortmund“ sucht und auf eine Anzeige klickt, will Arbeitsrecht sehen, nicht eine Übersicht aller Rechtsgebiete. Jede Ablenkung auf dem Weg zum Kontakt kostet Anfragen. Dazu kommt: Google bewertet die Nutzererfahrung mit der Landingpage als einen der drei Bestandteile des Qualitätsfaktors einer Anzeige, neben der erwarteten Klickrate und der Anzeigenrelevanz (Google Ads: Qualitätsfaktor (externer Link)).
Die fünf Regeln einer guten Landingpage
- Ein Thema pro Seite. Die Seite greift genau das Anliegen der Anzeige auf, in denselben Worten.
- Das Versprechen der Anzeige wird eingelöst. Wenn die Anzeige „Termin innerhalb von 48 Stunden“ sagt, steht das auch oben auf der Seite – und es stimmt.
- Ein klarer nächster Schritt. Anrufen oder kurze Anfrage, gut sichtbar oben und noch einmal am Ende.
- Wenig Ablenkung. Keine Nachrichten, kein Blog, keine zehn Rechtsgebiete. Ein schlankes Menü mit Impressum und Datenschutz bleibt.
- Vertrauen auf derselben Seite. Foto der zuständigen Anwältin, Fachanwaltstitel, zwei, drei echte Bewertungen, Ablauf und Kostenorientierung.
Aufbau einer Landingpage
| Bereich | Inhalt |
|---|---|
| Überschrift | Das Anliegen in den Worten der Suchenden: „Kündigung erhalten? Wir prüfen Ihre Möglichkeiten.“ |
| Unterzeile | Was Sie konkret tun, für wen, wo |
| Kontakt | Anruf-Knopf, kurzes Formular, Erreichbarkeit |
| Drei Punkte | Was die Person jetzt wissen muss, zum Beispiel die Drei-Wochen-Frist (§ 4 KSchG (externer Link)) |
| Ansprechperson | Foto, Name, Titel, ein Satz zur Erfahrung |
| Ablauf und Kosten | Drei Schritte, Kostenorientierung, Rechtsschutz |
| Häufige Fragen | Drei bis fünf |
| Kontakt erneut | Für alle, die bis unten gelesen haben |
SEO-Seite oder eigene Landingpage?
Oft eignet sich eine gute Rechtsgebietsseite auch als Ziel für Anzeigen. Eigene Landingpages lohnen sich, wenn Sie sehr spezifische Anzeigen schalten oder testen wollen, welche Ansprache besser funktioniert. Damit eigene Landingpages nicht mit Ihren Rechtsgebietsseiten in der Suche konkurrieren, können Sie sie von der Indexierung ausschließen – sie werden ohnehin über die Anzeigen besucht. Wie Sie Anzeigen planen und auswerten, zeigt Teil 17 dieser Serie.
So testen Sie Ihre Seiten
- Der Fünf-Sekunden-Test. Drei Menschen außerhalb der Kanzlei sehen die Seite fünf Sekunden auf dem Handy. Können sie sagen, was Sie machen, wo und wie man Sie erreicht?
- Der Anruf-Test. Rufen Sie sich über den Link auf der Website selbst an, zu verschiedenen Tageszeiten. Wer geht ran? Was passiert außerhalb der Öffnungszeiten?
- Der Formular-Test. Schicken Sie eine Testanfrage. Kommt sie an? Wann wird sie beantwortet?
- Der Tempo-Test. Prüfen Sie Startseite und Landingpages mit PageSpeed Insights (externer Link).
- Der Zahlen-Test. Notieren Sie über einige Wochen, wie viele Anrufe und Anfragen von welcher Seite kommen. Mehr dazu in Teil 21 dieser Serie.
Die häufigsten Fehler
| Fehler | Folge | Besser so |
|---|---|---|
| Begrüßung statt Aussage | Besucher wissen nicht, ob sie richtig sind | Kernaussage: für wen, was, wo |
| Bildschirmfüllendes Stockfoto oben | Die wichtigen Inhalte rutschen nach unten | Kleineres, echtes Foto oder gar keins |
| Einblendung beim Start | Absprünge, besonders am Handy | Keine Pop-ups beim Seitenaufruf |
| Anzeigen führen auf die Startseite | Teure Klicks verpuffen | Passende Rechtsgebiets- oder Landingpage |
| Versprechen ohne Deckung | Enttäuschte Anrufer, Irreführungsrisiko | Nur zusagen, was Sie einhalten |
| Telefonnummer nicht antippbar | Verlorene Anrufe | Nummer als Telefonlink, oben und unten |
Ihre Checkliste
- Kernaussage in einem Satz oben auf der Startseite.
- Telefonnummer als Link plus zweiter Kontaktweg im ersten Bildschirm.
- Zwei bis fünf Rechtsgebiete mit Link zur eigenen Seite.
- Menschen mit Foto, Titel und Schwerpunkten.
- Ablauf und Kostenorientierung.
- Keine Einblendungen beim Seitenaufruf.
- Für jede Anzeigengruppe eine passende Zielseite.
- Fünf-Sekunden-Test, Anruf-Test und Formular-Test durchführen.
Häufige Fragen
Wie lang darf eine Startseite sein?
So lang, wie Besucher Orientierung brauchen. Wichtiger als die Länge ist die Reihenfolge: Die Kernaussage und der Kontakt gehören in den ersten Bildschirm, alles andere darf folgen.
Brauche ich ein Video auf der Startseite?
Nein. Ein kurzes Vorstellungsvideo kann Vertrauen schaffen, aber es darf die Seite nicht verlangsamen und sollte erst nach einem Klick laden. Mehr dazu in Teil 19 dieser Serie.
Darf ich auf einer Landingpage das Menü weglassen?
Sie können es stark verschlanken. Impressum und Datenschutzerklärung müssen aber auch auf einer Landingpage leicht erreichbar bleiben.
Sollen Landingpages in Google auftauchen?
Eigene Anzeigen-Landingpages sind meist nicht für die normale Suche gedacht. Wenn sie Ihren Rechtsgebietsseiten stark ähneln, schließen Sie sie besser von der Indexierung aus.
Was ist wichtiger: Formular oder Telefon?
Beides. Bei dringenden Anliegen rufen die meisten Menschen an. Wer überlegt oder abends sucht, schreibt lieber. Bieten Sie beide Wege an.
Quellen
- Plattform-Anteile Desktop, Mobil, Tablet in Deutschland (externer Link), Statcounter, abgerufen am 8. Oktober 2026
- Best Practices für die Mobile-First-Indexierung (externer Link), Google Search Central
- Qualitätsfaktor (externer Link), Google Ads-Hilfe
- PageSpeed Insights (externer Link), Google
- Berufsordnung für Rechtsanwälte, Stand 1. Dezember 2025 (externer Link), Bundesrechtsanwaltskammer
- § 5 UWG (externer Link), § 4 KSchG (externer Link), Bundesministerium der Justiz