Rechtsgebiete

Online-Marketing nach Rechtsgebiet

Jemand mit einem Bußgeldbescheid sucht anders als ein Unternehmer, der eine GmbH gründen will. Hier sehen Sie, wie sich die 15 wichtigsten Rechtsgebiete im Online-Marketing unterscheiden.

Teilweise ohne Werbebudget Teilweise Budget nötig Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit von Miklós Bognár

Viel Wettbewerb – aber nicht überall gleich

Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 167.547 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zugelassen. 47.436 von ihnen führen mindestens einen Fachanwaltstitel. Die größten Fachanwaltschaften sind Arbeitsrecht mit 11.253, Familienrecht mit 8.314 und Steuerrecht mit 4.584 Titeln. Am stärksten gewachsen sind zuletzt Vergaberecht, Migrationsrecht und IT-Recht (BRAK-Mitglieder- und Fachanwaltsstatistik zum 1. Januar 2026 (externer Link)).

Für Ihr Marketing heißt das: Im Arbeits- und Familienrecht konkurrieren in jeder Stadt viele spezialisierte Kanzleien um dieselben Suchen. Dort entscheiden Details – ein besseres Google-Profil, mehr echte Bewertungen, gründlichere Inhalte. In kleineren Fachgebieten ist der Wettbewerb oft geringer, die Suchenden sind aber auch seltener und kommen aus einem größeren Umkreis.

Die 15 Rechtsgebiete im Überblick

Die Einschätzungen zu Dringlichkeit und Kanälen beruhen auf typischen Suchsituationen. In Ihrer Region und für Ihre Kanzlei kann es anders aussehen.

RechtsgebietTypische SituationDringlichkeitStärkste Kanäle
FamilienrechtTrennung, Scheidung, Unterhalt, Umgangmittel bis hochGoogle-Profil, Ratgeber, Rechner
ArbeitsrechtKündigung, Abfindung, Aufhebungsvertraghoch (Klagefrist)Suchanzeigen, Google-Profil, Ratgeber
VerkehrsrechtBußgeld, Fahrverbot, Unfallhoch (Einspruchsfrist)Suchanzeigen, Google-Profil
StrafrechtVorladung, Durchsuchung, Anklagesehr hochGoogle-Profil, Suchanzeigen, Erreichbarkeit
MietrechtMieterhöhung, Eigenbedarf, NebenkostenmittelRatgeber, Google-Profil
ErbrechtErbfall, Pflichtteil, TestamentmittelRatgeber, Checklisten, SEO
MigrationsrechtAufenthalt, Einbürgerung, Visummittel bis hochmehrsprachige Inhalte, Google-Profil
SozialrechtBescheid, Widerspruch, Rente, Pflegehoch (Widerspruchsfrist)Ratgeber, Google-Profil
MedizinrechtBehandlungsfehler, Berufsrecht für Ärzteniedrig bis mittelRatgeber, Fachbeiträge
VersicherungsrechtVersicherung zahlt nichtmittelRatgeber, Suchanzeigen
Bau- und ArchitektenrechtBaumängel, Bauverzug, AbnahmemittelRatgeber, Fachbeiträge, LinkedIn
Handels- und GesellschaftsrechtGründung, Gesellschafterstreit, Nachfolgeniedrig bis mittelFachbeiträge, Microsoft Ads, LinkedIn
IT-Recht und DatenschutzAbmahnung, Datenschutz, Verträgemittel bis hochRatgeber, Suchanzeigen, Fachbeiträge
SteuerrechtBetriebsprüfung, Steuerstrafverfahrenmittel bis hochFachbeiträge, Empfehlungen, SEO
Bank- und KapitalmarktrechtAnlagebetrug, Kredit, KontopfändungmittelRatgeber, Suchanzeigen

Fristen machen Suchen dringend

In vielen Rechtsgebieten beginnt mit einem Schreiben eine Frist. Wer zum Beispiel gegen eine Kündigung klagen will, muss das innerhalb von drei Wochen nach Zugang tun (§ 4 KSchG (externer Link)). Gegen einen Bußgeldbescheid bleiben zwei Wochen für den Einspruch (§ 67 OWiG (externer Link)).

Solche Fristen verändern das Suchverhalten. Menschen suchen schnell, oft vom Handy und häufig abends oder am Wochenende. Für Kanzleien in diesen Gebieten zählen deshalb drei Dinge besonders: ein vollständiges Google-Unternehmensprofil, gut erreichbare Kontaktwege und gezielte Suchanzeigen für die dringendsten Anliegen.

In Gebieten ohne akuten Zeitdruck, etwa im Erbrecht bei der Nachlassplanung oder im Gesellschaftsrecht, informieren sich Menschen dagegen gründlich und vergleichen. Dort gewinnen Kanzleien mit den besten Inhalten und sichtbarer Fachkompetenz.

Fachanwalt, Schwerpunkt, Interessengebiet – auf die Worte achten

Es gibt 24 Fachanwaltschaften (Fachanwaltsordnung, Stand 1. Oktober 2026 (externer Link)). Den Titel „Fachanwalt für …“ dürfen nur Anwälte führen, denen er verliehen wurde. Tätigkeitsschwerpunkte darf nur angeben, wer entsprechende Kenntnisse nachweisen kann, und die Angabe darf nicht mit einem Fachanwaltstitel verwechselt werden können (§ 7 BORA (externer Link)).

Das betrifft alle Kanäle: Seitentitel, Google-Profil, Anzeigentexte und Verzeichniseinträge. Gerade bei Anzeigen wird schnell „Fachanwalt“ geschrieben, wo „Kanzlei für“ richtig wäre.

Häufige Fragen

Sollte eine Kanzlei für alle Rechtsgebiete werben?

Besser nicht gleichzeitig. Konzentrieren Sie sich zuerst auf die zwei oder drei Gebiete, in denen Sie am stärksten sind. Für jedes davon brauchen Sie eigene Seiten, Inhalte und gegebenenfalls eigene Anzeigen.

Welches Rechtsgebiet ist online am umkämpftesten?

Gemessen an der Zahl der Fachanwälte sind Arbeitsrecht und Familienrecht die größten Gebiete. Wie stark der Wettbewerb in Ihrer Stadt ist, zeigt ein Blick in die Kartenergebnisse und die Anzeigen bei Google.

Lohnt sich Online-Marketing auch für kleine Fachgebiete?

Ja, oft sogar besonders. Es gibt weniger Suchanfragen, aber auch weniger Wettbewerb. Gründliche Inhalte können hier überregional Mandanten bringen.

Darf ich mich „Spezialist für …“ nennen?

Die Berufsordnung verlangt, dass solche Angaben nicht irreführen und nicht mit einem Fachanwaltstitel verwechselt werden können. Ob eine bestimmte Bezeichnung zulässig ist, klären Sie im Zweifel mit Ihrer Rechtsanwaltskammer.

Quellen