Zwei Seiten, ein Rechtsgebiet
Ein typisches Beispiel: Angenommen, zwei Kanzleien in derselben Stadt haben beide eine Fachanwältin für Familienrecht. Die erste hat auf ihrer Website einen Absatz: „Wir beraten Sie umfassend in allen Fragen des Familienrechts, insbesondere Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht und Umgangsrecht.“ Die zweite hat eine eigene Seite. Oben steht, für wen die Kanzlei da ist. Darunter folgen Abschnitte zu Trennung, Scheidung, Unterhalt und Kindern, jeweils mit den Fragen, die Mandanten tatsächlich stellen, einem Hinweis zu Kosten und einem Foto der Anwältin.
Wer „Anwalt Unterhalt Kassel“ sucht, hat gute Chancen, eher die zweite Kanzlei zu finden. Und wer auf beiden Websites landet, ruft wahrscheinlich eher bei der zweiten an.
Eine gute Rechtsgebietsseite ist kein Werbetext, sondern eine Antwort. Sie zeigt, dass die Kanzlei das Anliegen versteht, bevor das erste Gespräch stattfindet.
Eine Seite pro Rechtsgebiet – und manchmal mehr
Jedes Rechtsgebiet, in dem Sie Mandate gewinnen wollen, braucht eine eigene Seite. Für große Rechtsgebiete mit vielen unterschiedlichen Anliegen lohnen sich zusätzlich Unterseiten: etwa im Arbeitsrecht für Kündigung, Abfindung und Aufhebungsvertrag. Welche Unterseiten sinnvoll sind, ergibt sich aus der Keyword-Recherche (Teil 7 dieser Serie).
Die Grundregel: Ein Thema, eine Seite. Mehrere Seiten zum selben Anliegen konkurrieren in der Suche miteinander.
Der Bauplan
Diese Gliederung hat sich für Rechtsgebietsseiten bewährt. Passen Sie sie an Ihr Rechtsgebiet an, aber behalten Sie die Reihenfolge bei: Orientierung zuerst, Details danach.
| Baustein | Inhalt | Warum |
|---|---|---|
| Seitentitel (title) | „Anwalt Familienrecht Kassel – Scheidung, Unterhalt, Kinder · Kanzlei Name“ | Erscheint als Überschrift im Suchergebnis |
| Beschreibung (meta description) | Ein bis zwei Sätze mit Nutzen und Ort | Kann als Text im Suchergebnis erscheinen |
| Hauptüberschrift (H1) | „Familienrecht in Kassel: Wir begleiten Sie bei Trennung und Scheidung“ | Bestätigt: richtig hier |
| Einleitung | Für wen, was, wie – in drei bis vier Sätzen, mit Kontaktweg | Die Antwort zuerst |
| Typische Anliegen | Je ein Abschnitt pro Anliegen mit den häufigsten Fragen | Deckt die Suchvarianten ab |
| Fristen und erste Schritte | Was jetzt wichtig ist, mit Gesetzeslink | Hilft sofort, zeigt Kompetenz |
| Ablauf der Zusammenarbeit | Drei bis vier Schritte | Nimmt Unsicherheit |
| Kosten | Wie abgerechnet wird, Rechtsschutz, Beratungshilfe, Verfahrenskostenhilfe | Die Frage, die alle haben |
| Ansprechpersonen | Foto, Name, Fachanwaltstitel, Schwerpunkte | Vertrauen |
| Häufige Fragen | Fünf bis zehn Fragen mit kurzen Antworten | Beantwortet Restfragen |
| Kontakt | Telefon, Formular, Erreichbarkeit | Nächster Schritt |
| Weiterführende Seiten | Links zu Unterseiten und Ratgebern | Führt tiefer, hilft Google |
Seitentitel und Beschreibung
Der Seitentitel ist das Erste, was Suchende von Ihrer Seite sehen. Google empfiehlt eindeutige, beschreibende Titel für jede Seite und rät von unnötig langen Titeln und Wiederholungen von Schlüsselwörtern ab (Google: Titellinks (externer Link)). Die Beschreibung kann Google als Textausschnitt verwenden, wenn sie die Seite gut zusammenfasst; eine Garantie dafür gibt es nicht (Google: Snippets (externer Link)).
| Besser | Schlechter |
|---|---|
| Anwalt Arbeitsrecht Mainz – Kündigung, Abfindung · Kanzlei Weber | Startseite – Kanzlei Weber |
| Erbrecht in Freiburg: Testament, Pflichtteil, Erbstreit · Kanzlei Lang | Erbrecht Erbrecht Freiburg Anwalt Erbrecht Freiburg |
| Mietrecht für Mieter in Köln – Kündigung, Mieterhöhung · Kanzlei Roth | Leistungen |
Die Einleitung: die Antwort zuerst
Die ersten drei, vier Sätze entscheiden, ob jemand weiterliest. Sie sollten sagen, für wen Sie da sind, bei welchen Anliegen, wo, und wie man Sie erreicht. Beispiel:
Sie leben in Trennung oder denken über eine Scheidung nach? Wir begleiten Sie in Kassel und Nordhessen bei allen Fragen rund um Trennung, Unterhalt und Kinder. Unsere Fachanwältin für Familienrecht nimmt sich Zeit für Ihre Situation und sagt Ihnen vorab, was die Beratung kostet. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns.
Vermeiden Sie Einleitungen über die Bedeutung des Rechtsgebiets („Das Familienrecht ist ein vielschichtiges Rechtsgebiet …“). Das wissen Ihre Besucher.
Die typischen Anliegen
Der Hauptteil der Seite besteht aus Abschnitten zu den Anliegen, mit denen Mandanten kommen. Jeder Abschnitt hat eine Zwischenüberschrift in der Sprache der Mandanten und beantwortet die zwei, drei wichtigsten Fragen. Wo es Fristen gibt, nennen Sie sie mit Link auf den Gesetzestext, zum Beispiel die Drei-Wochen-Frist bei Kündigungen (§ 4 KSchG (externer Link)) oder die Sechs-Wochen-Frist für die Ausschlagung einer Erbschaft (§ 1944 BGB (externer Link)).
Wichtig: Allgemeine Informationen ja, Rechtsberatung im Einzelfall nein. Ein Hinweis wie „Jeder Fall ist anders – wir prüfen Ihre Situation im Gespräch“ gehört dazu, ohne dass er jeden Absatz einleiten muss.
Kosten offen ansprechen
Fast alle Menschen fragen sich vor dem ersten Anruf, was ein Anwalt kostet. Eine Rechtsgebietsseite ohne Hinweis auf Kosten lässt diese Frage offen. Sie müssen keine Preisliste veröffentlichen, aber Orientierung geben:
- wie das erste Gespräch abgerechnet wird, etwa mit dem Hinweis auf die Obergrenze für eine erste Beratung von Verbrauchern ohne Vergütungsvereinbarung (§ 34 RVG (externer Link)),
- dass Sie vor jeder Tätigkeit über die Kosten sprechen,
- ob und wann eine Rechtsschutzversicherung zahlt und dass Sie die Deckungsanfrage übernehmen,
- wo es staatliche Unterstützung gibt, etwa Beratungshilfe oder Prozess- und Verfahrenskostenhilfe.
Menschen statt Kanzlei
Zeigen Sie auf jeder Rechtsgebietsseite, wer sich um das Anliegen kümmert: Foto, Name, Fachanwaltstitel, Schwerpunkte, ein Satz zur Erfahrung. Das stärkt das Vertrauen der Besucher und hilft auch Suchmaschinen, die Seite einzuordnen. Google betont, dass unter den Aspekten Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit die Vertrauenswürdigkeit am wichtigsten ist (Google: Hilfreiche Inhalte (externer Link)).
Achten Sie bei Schwerpunktangaben auf die Regeln: Teilbereiche dürfen Sie nur nennen, wenn Sie entsprechende Kenntnisse nachweisen können, und qualifizierende Zusätze wie „Spezialist“ setzen mehr voraus (§ 7 BORA (externer Link)). Mehr dazu in Teil 3 dieser Serie.
Häufige Fragen auf der Seite
Ein Abschnitt mit fünf bis zehn Fragen und kurzen Antworten beantwortet die letzten Unsicherheiten und deckt weitere Suchvarianten ab. Er ist außerdem eine gute Quelle für KI-Assistenten, die nach klaren Antworten suchen.
Ein Hinweis zur Technik: Google zeigt seit dem 7. Mai 2026 keine FAQ-Rich-Ergebnisse mehr in der Suche an (Google: FAQ-Seiten (externer Link)). Der FAQ-Bereich lohnt sich trotzdem – für Ihre Besucher und für die Verständlichkeit der Seite. Erwarten Sie nur keine aufklappbaren Fragen mehr direkt im Suchergebnis.
Strukturierte Daten
Strukturierte Daten helfen Suchmaschinen, die Seite einzuordnen: wer die Kanzlei ist, wo sie sitzt, wer die Seite verfasst hat. Google empfiehlt dafür im Allgemeinen das Format JSON-LD (Google: Einführung in strukturierte Daten (externer Link)). Für Kanzleien eignen sich vor allem:
- LegalService oder ein allgemeiner LocalBusiness-Typ für die Kanzlei mit Adresse, Telefon und Öffnungszeiten (schema.org: LegalService (externer Link), Google: Lokales Unternehmen (externer Link)),
- BreadcrumbList für die Brotkrumen-Navigation,
- Angaben zur Person, die die Seite verantwortet.
Prüfen Sie das Ergebnis mit dem Test für Rich-Suchergebnisse (externer Link) und dem Schema Markup Validator (externer Link). Strukturierte Daten sind kein Ranking-Wundermittel, aber ein sauberes Fundament.
Interne Verlinkung
Verlinken Sie die Rechtsgebietsseite von der Startseite und aus dem Menü. Verlinken Sie von der Rechtsgebietsseite auf Unterseiten und passende Ratgeber, und von dort zurück. Google folgt Links, die als normale HTML-Links mit aussagekräftigem Linktext gesetzt sind (Google: Crawlbare Links (externer Link)). „Mehr zum Thema Abfindung“ ist besser als „hier klicken“.
Ein vollständiges Beispiel: Familienrecht
So könnte die Gliederung einer Seite für eine Kanzlei in Kassel aussehen:
- H1: Familienrecht in Kassel: Wir begleiten Sie bei Trennung und Scheidung
- Einleitung mit Telefon und Kontaktweg
- H2: Trennung – was Sie jetzt regeln sollten
- H2: Scheidung – Ablauf, Dauer und Kosten
- H2: Unterhalt für Kinder und Ehepartner
- H2: Sorgerecht und Umgang – wenn es um die Kinder geht
- H2: Vermögen, Haus und Zugewinn
- H2: So arbeiten wir mit Ihnen
- H2: Was kostet die Beratung? Rechtsschutz und Verfahrenskostenhilfe
- H2: Ihre Ansprechpartnerin – mit Foto, Fachanwaltstitel, Schwerpunkten
- H2: Häufige Fragen
- Kontakt und Links zu Unterseiten, etwa „Unterhalt berechnen“ oder „Scheidung ohne Streit“
Wie Mandanten in diesem Rechtsgebiet suchen, beschreibt unsere Seite zum Familienrecht. Für 14 weitere Rechtsgebiete finden Sie entsprechende Seiten in der Übersicht.
Wie lang sollte die Seite sein?
Es gibt keine ideale Wortzahl. Google sagt ausdrücklich, dass es keine bevorzugte Länge gibt (Google: Hilfreiche Inhalte (externer Link)). Die Seite sollte so lang sein, dass die wichtigsten Fragen beantwortet sind, und so gegliedert, dass Eilige trotzdem schnell das Richtige finden. Für ein großes Rechtsgebiet sind das oft deutlich mehr als 1.000 Wörter, für eine kleine Unterseite reichen manchmal 600.
Die häufigsten Fehler
| Fehler | Folge | Besser so |
|---|---|---|
| Alle Rechtsgebiete auf einer Seite | Keine Sichtbarkeit für einzelne Gebiete | Eine eigene Seite pro Rechtsgebiet |
| Einleitung über die Bedeutung des Rechtsgebiets | Besucher springen ab | Für wen, was, wo – sofort |
| Fachsprache in Überschriften | Passt nicht zu den Suchanfragen | Worte der Mandanten verwenden |
| Kein Wort zu Kosten | Unsicherheit verhindert den Anruf | Kostenorientierung geben |
| Keine Personen | Wenig Vertrauen | Foto, Titel und Schwerpunkte |
| Seite einmal geschrieben, nie aktualisiert | Veraltete Fristen und Regeln | Einmal im Quartal prüfen, Datum anzeigen |
Ihre Checkliste
- Für jedes wichtige Rechtsgebiet eine eigene Seite anlegen.
- Eindeutigen Seitentitel mit Rechtsgebiet und Ort formulieren.
- Einleitung mit Antwort und Kontaktweg schreiben.
- Abschnitte zu den typischen Anliegen mit den Fragen aus der Keyword-Recherche.
- Fristen mit Gesetzeslink nennen.
- Kostenorientierung geben.
- Ansprechpersonen mit Foto und Titel zeigen.
- FAQ-Bereich mit fünf bis zehn Fragen.
- Strukturierte Daten einbauen und prüfen.
- Intern verlinken und Datum der letzten Prüfung anzeigen.
Häufige Fragen
Soll ich für jede Stadt eine eigene Seite anlegen?
Nur, wenn Sie dort tatsächlich einen Standort haben. Seiten für Orte, an denen Sie nicht vertreten sind, wirken schnell wie Spam und können irreführend sein.
Darf ich Urteile und Fälle auf der Seite erwähnen?
Allgemeine Rechtsprechung ja, mit Quelle. Eigene Fälle nur anonymisiert und ohne Rückschluss auf Mandanten oder mit deren ausdrücklicher Einwilligung.
Wie oft sollte ich die Seite aktualisieren?
Prüfen Sie sie einmal im Quartal und sofort, wenn sich Gesetze oder Fristen ändern. Zeigen Sie das Datum der letzten Prüfung auf der Seite an.
Lohnen sich FAQ noch, wenn Google keine FAQ-Ergebnisse mehr zeigt?
Ja. Ihre Besucher profitieren von kurzen, klaren Antworten, und KI-Assistenten greifen gern auf solche Inhalte zurück.
Kann ich KI zum Schreiben nutzen?
Als Hilfe für Gliederung und Formulierung ja. Die fachlichen Aussagen müssen aber von einer Anwältin oder einem Anwalt stammen oder geprüft sein. Geben Sie keine Mandantendaten in KI-Werkzeuge ein.
Quellen
- Titellinks in den Google-Suchergebnissen (externer Link), Snippets (externer Link), Google Search Central
- Hilfreiche, zuverlässige Inhalte erstellen (externer Link), Google Search Central
- Einführung in strukturierte Daten (externer Link), Lokales Unternehmen (externer Link), FAQ-Seiten (externer Link), Google Search Central
- Crawlbare Links (externer Link), Google Search Central
- LegalService (externer Link), schema.org
- Test für Rich-Suchergebnisse (externer Link), Google; Schema Markup Validator (externer Link)
- Berufsordnung für Rechtsanwälte, Stand 1. Dezember 2025 (externer Link), Bundesrechtsanwaltskammer
- § 4 KSchG (externer Link), § 1944 BGB (externer Link), § 34 RVG (externer Link), Bundesministerium der Justiz