Ein unsichtbares Problem
Ein typisches Beispiel: Angenommen, eine Kanzlei für Sozialrecht lässt im Frühjahr ihre Website erneuern. Sie sieht gut aus, die Texte sind besser als vorher. Trotzdem gehen die Anfragen über Google zurück. Erst Monate später fällt bei einem Blick in die Search Console auf, dass die neue Website eine Einstellung aus der Testphase behalten hat: Alle Seiten tragen den Hinweis „noindex“. Google soll sie nicht in die Suche aufnehmen – und tut es auch nicht.
Solche Fehler sind keine Seltenheit. Sie fallen niemandem auf, weil die Website im Browser ganz normal aussieht. Ein regelmäßiger Technik-Check kann ein solches Problem in wenigen Minuten aufdecken.
Teil 1: Tempo
Warum Ladezeit zählt
Langsame Seiten verlieren Besucher, besonders am Handy. Google fasst die Nutzererfahrung beim Laden in den Core Web Vitals zusammen und empfiehlt, gute Werte anzustreben; sie entsprechen nach Google den Anforderungen seiner Ranking-Systeme (Google: Core Web Vitals (externer Link)). Gute Werte sind keine Garantie für Spitzenplätze, schlechte Werte kosten aber spürbar Besucher.
Die drei Werte
| Wert | Was er misst | Gut ist |
|---|---|---|
| LCP (Largest Contentful Paint) | Wie schnell der größte sichtbare Inhalt geladen ist | höchstens 2,5 Sekunden |
| INP (Interaction to Next Paint) | Wie schnell die Seite auf Klicks und Tippen reagiert | höchstens 200 Millisekunden |
| CLS (Cumulative Layout Shift) | Wie stark Inhalte beim Laden verrutschen | höchstens 0,1 |
Gemessen wird beim 75. Perzentil der Seitenaufrufe, getrennt nach Mobilgeräten und Computern (web.dev: Web Vitals (externer Link)). Das heißt: Drei von vier Besuchern sollten gute Werte erleben.
So prüfen Sie es
- Öffnen Sie PageSpeed Insights (externer Link) und geben Sie Ihre Startseite ein. Wiederholen Sie das für eine Rechtsgebietsseite.
- Achten Sie zuerst auf den oberen Bereich mit Daten echter Nutzer, falls vorhanden. Der darunterliegende Labortest zeigt Ursachen und Vorschläge.
- Schauen Sie in der Search Console in den Bericht „Core Web Vitals“. Dort sehen Sie, welche Seitengruppen Probleme haben.
Die häufigsten Ursachen bei Kanzlei-Websites
| Ursache | Wirkt auf | Lösung |
|---|---|---|
| Riesige Fotos im Kopfbereich | LCP | Bilder verkleinern, moderne Formate, passende Größen für Handy und Computer |
| Schieberegler (Slider) mit mehreren Bildern | LCP, CLS | Ein statisches Bild oder gar keins |
| Externe Schriftarten, Karten, Videos, Chat-Widgets | LCP, INP | Auf eigenem Server ablegen oder erst nach Klick laden |
| Viele Plug-ins im Content-Management-System | INP, LCP | Unnötige Erweiterungen entfernen |
| Bilder und Anzeigen ohne feste Größe | CLS | Breite und Höhe im Code angeben |
| Langsames, günstiges Hosting | alle | Hosting mit ausreichend Leistung, Zwischenspeicher (Caching) aktivieren |
Viele dieser Punkte verbessern gleichzeitig den Datenschutz: Je weniger Fremddienste, desto weniger Daten fließen an Dritte. Mehr dazu in Teil 23 dieser Serie.
Teil 2: Auffindbarkeit – technisches SEO
Technisches SEO sorgt dafür, dass Suchmaschinen alle wichtigen Seiten finden, verstehen und richtig zuordnen können. Für eine typische Kanzlei-Website sind fünf Punkte entscheidend.
1. Werden die Seiten indexiert?
Prüfen Sie in der Search Console den Bericht zur Seitenindexierung. Fehlen wichtige Seiten wie Startseite oder Rechtsgebietsseiten, prüfen Sie sie einzeln mit dem URL-Prüftool (Google: URL-Prüftool (externer Link)). Typische Ursachen: ein vergessener „noindex“-Hinweis, eine falsche Regel in der robots.txt oder fehlende interne Links. Wie Sie die Search Console nutzen, zeigt Teil 6 dieser Serie.
2. Ist die robots.txt richtig?
Die Datei robots.txt im Hauptverzeichnis Ihrer Website sagt Crawlern, welche Bereiche sie aufrufen dürfen (Google: Einführung in robots.txt (externer Link)). Rufen Sie ihre-kanzlei.de/robots.txt im Browser auf. Steht dort Disallow: / für alle Crawler, ist Ihre Website für Suchmaschinen gesperrt. Achtung: Die robots.txt steuert das Crawlen, nicht die Indexierung. Um eine Seite aus der Suche herauszuhalten, ist ein „noindex“-Hinweis der richtige Weg.
Für KI-Crawler gelten eigene Regeln. Welche Sie zulassen sollten, erklärt Teil 16 dieser Serie.
3. Gibt es eine Sitemap?
Eine XML-Sitemap listet alle Seiten auf, die Suchmaschinen kennen sollen (Google: Sitemaps (externer Link)). Die meisten Systeme erzeugen sie automatisch, oft unter /sitemap.xml. Prüfen Sie, ob sie erreichbar ist, nur echte Seiten enthält (keine Testseiten, keine Weiterleitungen) und in der Search Console sowie in den Bing Webmaster Tools eingereicht ist.
4. Ist für jede Seite klar, welche Adresse gilt?
Dieselbe Seite ist oft unter mehreren Adressen erreichbar: mit und ohne www, mit http und https, mit und ohne Schrägstrich am Ende. Google wählt dann selbst eine Version aus. Besser ist es, das selbst festzulegen. Google nennt dafür Weiterleitungen als stärkstes Signal, den Hinweis rel="canonical" als starkes und die Sitemap als schwächeres Signal (Google: Kanonische URL angeben (externer Link)). In der Praxis heißt das:
- Alle Varianten leiten dauerhaft (301) auf eine Version weiter, etwa
https://www.ihre-kanzlei.de/. - Jede Seite verweist mit
rel="canonical"auf sich selbst. - Die Sitemap enthält nur die gültigen Adressen.
5. Sind strukturierte Daten vorhanden und fehlerfrei?
Strukturierte Daten beschreiben die Kanzlei, ihre Adresse und Ansprechpersonen in maschinenlesbarer Form, empfohlen im Format JSON-LD (Google: Strukturierte Daten (externer Link)). Prüfen Sie Startseite und eine Rechtsgebietsseite mit dem Test für Rich-Suchergebnisse (externer Link). Warnungen sind nicht immer kritisch, Fehler sollten behoben werden. Was sinnvoll ist, beschreibt Teil 9 dieser Serie.
Bonus: Bing schneller informieren
Bing und weitere Suchmaschinen unterstützen IndexNow: Ihre Website meldet neue oder geänderte Seiten aktiv, statt auf den nächsten Besuch des Crawlers zu warten (IndexNow (externer Link)). Viele Content-Management-Systeme bieten dafür eine Erweiterung oder eine eingebaute Funktion.
Die ganze Website auf einmal prüfen
Für einen Rundumblick eignet sich der Screaming Frog SEO Spider (externer Link). Die kostenlose Version durchsucht bis zu 500 Adressen – für die meisten Kanzlei-Websites genug. Sie sehen auf einen Blick defekte Links, fehlende Seitentitel, doppelte Beschreibungen, Weiterleitungsketten und „noindex“-Seiten.
Teil 3: Sicherheit
Eine Kanzlei-Website enthält meist keine Mandantendaten. Trotzdem ist sie ein Aushängeschild – und ein gehackter Auftritt mit Spam-Links oder Schadsoftware beschädigt Vertrauen und Sichtbarkeit gleichermaßen. Kontaktformulare übertragen zudem oft sensible Informationen.
Die sechs Grundregeln
- HTTPS überall. Jede Seite wird verschlüsselt ausgeliefert, http leitet dauerhaft auf https weiter. Mit dem Header Strict-Transport-Security merken sich Browser, dass Ihre Seite nur verschlüsselt aufgerufen werden darf (MDN: Strict-Transport-Security (externer Link)).
- Sicherheits-Header setzen. Header wie Content-Security-Policy, X-Content-Type-Options oder Referrer-Policy erschweren typische Angriffe. Das OWASP Secure Headers Project beschreibt bewährte Einstellungen (OWASP Secure Headers Project (externer Link)). Prüfen können Sie Ihre Seite mit dem HTTP Observatory von Mozilla (externer Link).
- Updates zeitnah einspielen. Content-Management-System, Erweiterungen und Themes sind das häufigste Einfallstor. Klären Sie, wer Updates einspielt und wie schnell.
- Sichere Zugänge. Starke, einzigartige Passwörter, Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Admin-Zugänge, keine geteilten Konten. Ehemalige Mitarbeiter und Dienstleister sofort entfernen.
- Regelmäßige Sicherungen. Automatische Sicherungen an einem getrennten Ort, und mindestens einmal im Jahr prüfen, ob die Wiederherstellung tatsächlich funktioniert.
- Weniger ist sicherer. Jede Erweiterung, jedes Formular, jeder Fremddienst ist eine mögliche Schwachstelle. Entfernen Sie, was niemand braucht.
Kontaktformulare
Wenn Ihr Formular Anfragen per E-Mail weiterleitet, klären Sie mit Ihrem Dienstleister, wie die Nachrichten übertragen und wo sie gespeichert werden. Bitten Sie auf der Seite darum, im ersten Schritt keine Unterlagen oder ausführlichen Sachverhalte zu senden. Das schützt Ihre künftigen Mandanten und Ihre Kanzlei.
Sonderfall Relaunch: neue Website ohne Ranking-Verlust
Die meisten technischen Katastrophen passieren bei einem Relaunch. Die neue Website sieht besser aus, aber über Nacht sind Sichtbarkeit und Anfragen weg. Das lässt sich fast immer vermeiden, wenn Sie vorher diese Schritte einplanen:
- Bestand erfassen. Exportieren Sie vor dem Umbau alle Adressen der alten Website, etwa mit Screaming Frog, und die Seiten mit den meisten Klicks aus der Search Console.
- Weiterleitungsplan erstellen. Jede alte Adresse bekommt eine passende neue Adresse. Was nicht mehr existiert, leitet auf die thematisch nächste Seite weiter, nicht pauschal auf die Startseite.
- Testumgebung schützen. Die Testversion wird per Passwort geschützt. Ein „noindex“ auf der Testversion ist in Ordnung – aber nur dort.
- Am Starttag prüfen. robots.txt, „noindex“-Hinweise, Weiterleitungen, Sitemap, Search Console. Reichen Sie die neue Sitemap ein.
- Vier Wochen beobachten. Seitenindexierung, Klicks und Fehler in der Search Console wöchentlich prüfen. Fehlerhafte Weiterleitungen sofort korrigieren.
Inhalte, die bisher gut gefunden wurden, sollten Sie nicht ohne Grund streichen oder stark kürzen. Ein Relaunch ist eine gute Gelegenheit, Texte zu verbessern, aber kein Anlass, funktionierende Seiten wegzuwerfen.
Das richtige Hosting
Für eine Kanzlei-Website brauchen Sie kein teures Spezial-Hosting. Achten Sie aber auf diese Punkte:
- Serverstandort und Vertrag: Ein Anbieter mit Sitz und Rechenzentrum in der EU erleichtert den Datenschutz. Schließen Sie einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung ab.
- Leistung: Ausreichend Rechenleistung und ein Zwischenspeicher (Caching), damit Seiten auch zu Spitzenzeiten schnell laden.
- HTTPS inklusive: Ein kostenloses Zertifikat, das sich automatisch erneuert, ist heute Standard.
- Sicherungen: Automatische tägliche Sicherungen, die Sie selbst wiederherstellen können.
- Erreichbarer Support: Bei Problemen hilft Ihnen niemand, wenn der Support nur per Ticket in einigen Tagen antwortet.
Der Technik-Check in einer Stunde
| Minute | Prüfung | Werkzeug | Ampel |
|---|---|---|---|
| 0–10 | Core Web Vitals für Startseite und eine Rechtsgebietsseite | PageSpeed Insights | grün: alle drei Werte gut |
| 10–20 | Seitenindexierung, wichtige Seiten im Index? | Search Console | grün: alle wichtigen Seiten indexiert |
| 20–25 | robots.txt aufrufen | Browser | grün: kein Disallow: / für alle |
| 25–30 | Sitemap erreichbar und eingereicht? | Browser, Search Console | grün: ja, ohne Fehler |
| 30–35 | www/http-Varianten leiten auf eine Adresse weiter? | Browser | grün: alle Varianten landen auf derselben Adresse |
| 35–40 | Strukturierte Daten | Test für Rich-Suchergebnisse | grün: keine Fehler |
| 40–50 | Defekte Links, fehlende Titel, noindex-Seiten | Screaming Frog (kostenlos) | grün: keine wichtigen Fehler |
| 50–55 | HTTPS und Sicherheits-Header | HTTP Observatory | grün: HTTPS überall, Header gesetzt |
| 55–60 | Updates, Zugänge, Sicherungen | Gespräch mit Dienstleister | grün: Verantwortung geklärt |
Fragen an Ihren Dienstleister
Wenn eine andere Firma Ihre Website betreut, klären Sie diese Punkte schriftlich:
- Wer spielt Updates ein, und wie schnell nach Erscheinen?
- Wo liegen die Sicherungen, wie oft werden sie erstellt, wann wurde die Wiederherstellung zuletzt getestet?
- Wer hat Admin-Zugänge, und ist die Zwei-Faktor-Anmeldung aktiv?
- Welche Fremddienste sind eingebunden, und welche Daten fließen dorthin?
- Wem gehören Domain, Hosting-Vertrag, Search Console und Google-Profil? Die Antwort sollte immer lauten: Ihrer Kanzlei.
Die häufigsten Fehler
| Fehler | Folge | Besser so |
|---|---|---|
| „noindex“ nach dem Relaunch nicht entfernt | Website verschwindet aus der Suche | Nach jedem Relaunch Seitenindexierung prüfen |
| Alte Adressen ohne Weiterleitung | Verlorene Besucher und Links | Weiterleitungsplan vor dem Relaunch |
| Mehrere Adressvarianten ohne Weiterleitung | Doppelte Inhalte, verteilte Signale | Eine Hauptadresse, alle anderen leiten weiter |
| Updates monatelang liegen gelassen | Sicherheitsrisiko | Feste Verantwortung und Rhythmus |
| Sicherungen nie getestet | Im Ernstfall keine Wiederherstellung | Einmal im Jahr testen |
| Domain auf den Namen der Agentur | Abhängigkeit, Risiko beim Wechsel | Domain und Konten auf die Kanzlei |
Ihre Checkliste
- Core Web Vitals für Startseite und eine Rechtsgebietsseite prüfen.
- Seitenindexierung in der Search Console prüfen.
- robots.txt und Sitemap aufrufen und prüfen.
- Adressvarianten auf eine Hauptadresse weiterleiten.
- Strukturierte Daten testen.
- Website einmal mit Screaming Frog durchsuchen.
- HTTPS und Sicherheits-Header mit dem HTTP Observatory prüfen.
- Updates, Zugänge und Sicherungen mit dem Dienstleister klären.
- Check einmal im Quartal und nach jeder größeren Änderung wiederholen.
Häufige Fragen
Muss ich das alles selbst können?
Nein. Es reicht, wenn Sie wissen, was geprüft werden sollte, und die Ergebnisse einordnen können. Die Umsetzung übernimmt Ihr Dienstleister oder eine technisch versierte Person im Team.
Wie wichtig ist die Ladezeit wirklich für das Ranking?
Google empfiehlt gute Core Web Vitals und sagt, dass sie den Anforderungen seiner Ranking-Systeme entsprechen. Wichtiger als jede Zehntelsekunde sind aber gute Inhalte. Eine sehr langsame Seite kostet jedoch vor allem Besucher, die sofort wieder gehen.
Was ist der Unterschied zwischen robots.txt und noindex?
Die robots.txt steuert, welche Bereiche Crawler aufrufen dürfen. Ein „noindex“-Hinweis sagt Suchmaschinen, dass eine Seite nicht in den Ergebnissen erscheinen soll. Wer eine Seite aus der Suche heraushalten will, verwendet „noindex“ und lässt das Crawlen zu.
Brauche ich einen Wartungsvertrag?
Wenn niemand in Ihrer Kanzlei Updates, Sicherungen und Sicherheit zuverlässig übernimmt, ja. Achten Sie darauf, dass Leistungen, Reaktionszeiten und Verantwortlichkeiten klar beschrieben sind.
Wie oft sollte ich den Check machen?
Einmal im Quartal und zusätzlich nach jeder größeren Änderung, besonders nach einem Relaunch.
Quellen
- Core Web Vitals und Google-Suchergebnisse (externer Link), Google Search Central
- Web Vitals (externer Link), web.dev
- PageSpeed Insights (externer Link), Google
- Einführung in robots.txt (externer Link), Sitemaps (externer Link), Kanonische URL angeben (externer Link), Strukturierte Daten (externer Link), Google Search Central
- URL-Prüftool (externer Link), Google
- Test für Rich-Suchergebnisse (externer Link), Google
- IndexNow (externer Link)
- Screaming Frog SEO Spider (externer Link)
- Strict-Transport-Security (externer Link) und HTTP Observatory (externer Link), Mozilla
- OWASP Secure Headers Project (externer Link), OWASP