Warum kleine Fehler so viel kosten
Ein typisches Beispiel: Herr M. hat einen Bußgeldbescheid bekommen und sucht abends am Handy nach einem Anwalt für Verkehrsrecht. Er findet zwei Kanzleien. Die erste Website zeigt oben ein großes Foto eines Gerichtsgebäudes und den Satz „Ihr kompetenter Partner in allen Rechtsfragen“. Die Telefonnummer steht ganz unten im Impressum. Die zweite Website sagt oben: „Bußgeld, Fahrverbot, Unfall – wir vertreten Autofahrer in Leipzig“, darunter eine Nummer zum Antippen und der Hinweis, dass man den Bescheid auch fotografieren und schicken kann.
Gut möglich, dass Herr M. sich in weniger als einer Minute entscheidet. Nicht für die bessere Kanzlei, sondern für die verständlichere Website.
Die gute Nachricht: Die meisten Fehler auf Kanzlei-Websites sind schnell behoben. Sie brauchen dafür keine neue Website, sondern einen ehrlichen Blick von außen.
Fehler 1: Unklar, was Sie machen
Viele Startseiten beginnen mit Allgemeinplätzen: „Kompetenz und Vertrauen“, „Ihr Recht in guten Händen“. Wer sucht, will aber in Sekunden wissen: Ist das die richtige Kanzlei für mein Problem?
So beheben Sie es: Schreiben Sie in die erste Zeile, für wen Sie was tun und wo. Zum Beispiel: „Arbeitsrecht für Arbeitnehmer in Mainz – Kündigung, Abfindung, Zeugnis.“ Darunter die zwei, drei wichtigsten Rechtsgebiete und ein klarer Kontaktweg. Ohne Werbebudget
Fehler 2: Die Telefonnummer versteckt sich
Bei dringenden Anliegen rufen die meisten Menschen an. Steht die Nummer nur im Impressum oder als Bild, das man am Handy nicht antippen kann, geht der Anruf verloren.
So beheben Sie es: Telefonnummer oben auf jeder Seite, als Link, der am Handy direkt wählt. Dazu Ihre Erreichbarkeit („Mo–Fr 8–18 Uhr“) und ein zweiter Weg für alle, die lieber schreiben. Ohne Werbebudget
Fehler 3: Alle Rechtsgebiete auf einer Seite
„Wir beraten im Arbeitsrecht, Familienrecht, Mietrecht, Verkehrsrecht, Erbrecht …“ – eine Aufzählung auf einer Seite reicht weder für Google noch für Menschen. Wer „Anwalt Mietrecht Köln“ sucht, will eine Seite sehen, die sich um Mietrecht dreht.
So beheben Sie es: Eine eigene Seite für jedes wichtige Rechtsgebiet, mit den typischen Anliegen, Ihrem Vorgehen, Hinweisen zu Kosten und Fristen und einer Kontaktmöglichkeit. Wie Mandanten in den einzelnen Rechtsgebieten suchen, zeigen unsere Seiten zu 15 Rechtsgebieten. Wenn Sie selbst schreiben, kostet das vor allem Zeit Ohne Werbebudget.
Fehler 4: Auf dem Handy langsam oder unbedienbar
Im September 2026 kamen in Deutschland knapp 60 Prozent des Web-Verkehrs von Mobilgeräten (Statcounter (externer Link)). Google bewertet Websites zudem anhand ihrer mobilen Version (Google: Mobile-First-Indexierung (externer Link)). Eine Seite, die am Handy lange lädt, winzige Schrift hat oder Menüs, die sich nicht öffnen lassen, verliert Besucher und Sichtbarkeit.
So beheben Sie es: Prüfen Sie Ihre Seite mit PageSpeed Insights (externer Link). Achten Sie vor allem auf die Core Web Vitals (externer Link): Ladezeit des größten Elements, Reaktionszeit und Layout-Verschiebungen. Häufige Ursachen sind riesige Bilder, Schieberegler (Slider) auf der Startseite und viele eingebundene Fremddienste. Kleine Korrekturen kosten vor allem Zeit Ohne Werbebudget, ein Umbau braucht Budget nötig.
Fehler 5: Ein lückenhaftes Impressum
Für Kanzleien gelten erweiterte Pflichtangaben. § 5 DDG (externer Link) verlangt unter anderem Name und Anschrift, eine E-Mail-Adresse und für Berufe wie den des Rechtsanwalts zusätzlich die Kammer, die gesetzliche Berufsbezeichnung mit dem Staat, in dem sie verliehen wurde, sowie die Bezeichnung der berufsrechtlichen Regelungen und wie diese zugänglich sind. Dazu kommen nach § 2 DL-InfoV (externer Link) Angaben zu einer bestehenden Berufshaftpflichtversicherung, insbesondere Versicherer und räumlicher Geltungsbereich.
So beheben Sie es: Gleichen Sie Ihr Impressum mit dem Gesetzestext ab. Prüfen Sie dabei auch, ob noch das alte Telemediengesetz genannt wird: Die Pflichtangaben stehen heute im Digitale-Dienste-Gesetz. Das Impressum muss von jeder Seite aus mit einem Klick erreichbar sein. Ohne Werbebudget
Fehler 6: Fremddienste ohne Einwilligung
Eingebettete Google-Karten, YouTube-Videos, externe Schriftarten, Chat-Widgets und Analysewerkzeuge übertragen beim Seitenaufruf oft Daten an Dritte oder speichern Informationen im Browser. Für das Speichern und Auslesen von Informationen auf dem Endgerät ist grundsätzlich eine Einwilligung nötig, sofern es nicht unbedingt erforderlich ist (§ 25 TDDDG (externer Link)). Ein Cookie-Banner, das diese Fragen nur halb löst, nervt Besucher zusätzlich.
So beheben Sie es: Fragen Sie sich bei jedem Fremddienst, ob Sie ihn wirklich brauchen. Schriften lassen sich auf dem eigenen Server ablegen, Karten durch einen Link mit Anfahrtsbeschreibung ersetzen, Videos erst nach Klick laden. Je weniger Fremddienste, desto schneller die Seite und desto einfacher der Datenschutz. Dieses Portal kommt zum Beispiel ganz ohne Cookies aus. Je nach Website selbst umsetzbar Ohne Werbebudget oder mit Budget nötig.
Fehler 7: Keine Gesichter
Rechtsuchende vertrauen Menschen, nicht Logos. Viele Kanzlei-Websites zeigen Stockfotos von Waagen, Paragrafen und Händeschütteln, aber kein Foto der Anwältinnen und Anwälte.
So beheben Sie es: Eine Seite pro Person mit echtem Foto, Ausbildung, Schwerpunkten, Fachanwaltstiteln und ein paar persönlichen Sätzen. Das kann auch das Vertrauen von Suchmaschinen und KI-Systemen stärken, weil klar wird, wer hinter den Inhalten steht. Gute Fotos kosten etwas Budget nötig, lohnen sich aber dauerhaft.
Fehler 8: Werbesprache, die Ärger bringen kann
„Spezialist für alle Rechtsfragen“, „Die besten Anwälte der Stadt“, „Garantiert erfolgreich“: Solche Aussagen überzeugen niemanden und können berufsrechtlich problematisch sein. Werbung muss sachlich unterrichten (§ 43b BRAO (externer Link)) und darf nicht irreführend sein (§ 6 BORA (externer Link), § 5 UWG (externer Link)). Wer qualifizierende Zusätze wie „Spezialist“ verwendet, braucht nach § 7 BORA entsprechende theoretische Kenntnisse und muss auf dem Gebiet in erheblichem Umfang tätig gewesen sein. Verwechslungen mit Fachanwaltsbezeichnungen sind unzulässig.
So beheben Sie es: Ersetzen Sie Superlative durch überprüfbare Fakten: Fachanwaltstitel, Jahre der Tätigkeit, Schwerpunkte, Sprachen. Was genau erlaubt ist, erklärt Teil 3 dieser Serie. Ohne Werbebudget
Fehler 9: Ein Kontaktformular, das abschreckt
Lange Formulare mit Pflichtfeldern für Geburtsdatum und Aktenzeichen, keine Bestätigung nach dem Absenden, keine Angabe, wann man eine Antwort bekommt – das kostet Anfragen. Gleichzeitig senden Menschen über Formulare oft sensible Informationen.
So beheben Sie es: Nur die nötigen Felder (Name, Kontaktweg, kurzes Anliegen), ein Hinweis, bis wann Sie sich melden, und die Bitte, zunächst keine Unterlagen mitzuschicken. Die Website muss vollständig per HTTPS laufen. Prüfen Sie auch, wohin die Formulardaten gehen und wer Zugriff hat. Ohne Werbebudget
Fehler 10: Blindflug ohne Daten
Viele Kanzleien wissen nicht, wie viele Menschen ihre Website besuchen, über welche Suchbegriffe sie kommen und welche Seiten zu Anfragen führen.
So beheben Sie es: Richten Sie die Google Search Console (externer Link) und die Bing Webmaster Tools (externer Link) ein. Beide sind kostenlos und zeigen, bei welchen Suchanfragen Ihre Website erscheint. Fragen Sie außerdem bei jeder neuen Anfrage, wie die Person auf Sie aufmerksam geworden ist. Welche Statistik-Lösung zu Ihrer Kanzlei passt, lesen Sie unter Technik und Messung.
Bonus: Barrierefreiheit
Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (externer Link). Ob eine typische Kanzlei-Website darunter fällt, ist nicht abschließend geklärt; wir haben die Frage unter Website ausführlicher eingeordnet. Unabhängig davon profitieren alle Besucher von gut lesbaren Kontrasten, klaren Überschriften, Bedienung per Tastatur und Alternativtexten für Bilder. Viele dieser Punkte kosten bei einer neuen Website kaum Mehraufwand.
Die Fehler im Überblick
| Fehler | Aufwand | Kosten | Wirkung |
|---|---|---|---|
| 1. Unklare Startseite | 1 Stunde | ohne Werbebudget | sehr hoch |
| 2. Versteckte Telefonnummer | 30 Minuten | ohne Werbebudget | sehr hoch |
| 3. Keine Rechtsgebietsseiten | 1 Tag pro Seite | ohne Werbebudget oder Budget | hoch |
| 4. Langsam auf dem Handy | Stunden bis Tage | teils Budget | hoch |
| 5. Lückenhaftes Impressum | 1 Stunde | ohne Werbebudget | rechtlich wichtig |
| 6. Fremddienste ohne Einwilligung | Stunden | teils Budget | rechtlich wichtig |
| 7. Keine Gesichter | ein Fototermin | Budget | hoch |
| 8. Problematische Werbesprache | 1 Stunde | ohne Werbebudget | rechtlich wichtig |
| 9. Abschreckendes Formular | 1 Stunde | ohne Werbebudget | mittel |
| 10. Keine Daten | 1 Stunde | ohne Werbebudget | langfristig hoch |
Ihre Checkliste
- Startseite: Erste Zeile sagt, für wen, was und wo.
- Telefonnummer oben auf jeder Seite, am Handy antippbar.
- Eine eigene Seite für jedes wichtige Rechtsgebiet.
- PageSpeed Insights für Startseite und eine Rechtsgebietsseite laufen lassen.
- Impressum mit § 5 DDG und § 2 DL-InfoV abgleichen.
- Alle Fremddienste auflisten und unnötige entfernen.
- Personen mit Foto und Qualifikation vorstellen.
- Superlative und unbelegte „Spezialist“-Angaben streichen.
- Kontaktformular kürzen, Antwortzeit nennen.
- Search Console und Bing Webmaster Tools einrichten.
Häufige Fragen
Brauche ich eine neue Website?
Meistens nicht sofort. Viele Fehler lassen sich in der bestehenden Website beheben. Eine neue Website lohnt sich, wenn die Technik veraltet ist, die Seite am Handy nicht funktioniert oder Sie sie nicht selbst bearbeiten können.
Wie lang sollte ein Text auf der Startseite sein?
So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Oben gehört die Kernaussage in einen Satz. Darunter dürfen Rechtsgebiete, Personen und Kontaktwege folgen. Ausführliche Erklärungen gehören auf die Rechtsgebietsseiten.
Darf ich Bewertungen auf meiner Website zeigen?
Ja, wenn sie echt sind und nicht irreführend dargestellt werden. Zeigen Sie keine Inhalte, die Rückschlüsse auf Mandate zulassen, und holen Sie bei namentlicher Nennung die ausdrückliche Einwilligung ein (§ 6 Abs. 2 BORA).
Muss mein Impressum die Kammer nennen?
Ja. Für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte verlangt § 5 DDG Angaben zur Kammer, zur gesetzlichen Berufsbezeichnung mit dem verleihenden Staat und zu den berufsrechtlichen Regelungen.
Was bringt die Search Console konkret?
Sie sehen, bei welchen Suchanfragen Ihre Website erscheint, wie oft sie angeklickt wird und ob Google technische Probleme findet. Daraus lassen sich gezielt neue Inhalte ableiten.
Quellen
- § 5 DDG – Allgemeine Informationspflichten (externer Link), Bundesministerium der Justiz
- § 2 DL-InfoV – Stets zur Verfügung zu stellende Informationen (externer Link), Bundesministerium der Justiz
- § 25 TDDDG (externer Link), § 43b BRAO (externer Link), § 5 UWG (externer Link), § 1 BFSG (externer Link), Bundesministerium der Justiz
- Berufsordnung für Rechtsanwälte, Stand 1. Dezember 2025 (externer Link), Bundesrechtsanwaltskammer
- Best Practices für die Mobile-First-Indexierung (externer Link), Google Search Central
- Core Web Vitals und Google-Suchergebnisse (externer Link), Google Search Central
- PageSpeed Insights (externer Link), Google
- Plattform-Anteile Desktop, Mobil, Tablet in Deutschland (externer Link), Statcounter, abgerufen am 8. Oktober 2026