Was eine Search Console verrät
Ein typisches Beispiel: Angenommen, eine Kanzlei für Verkehrsrecht ist überzeugt, dass Mandanten nach „Anwalt Verkehrsrecht [Stadt]“ suchen. Beim ersten Blick in die Search Console sieht sie etwas anderes: Ihre Website erscheint vor allem bei Suchen wie „Fahrverbot vermeiden Härtefall“, „Blitzer Toleranz innerorts“ und „Punkte Flensburg wann gelöscht“. Diese Seiten werden oft angezeigt, aber selten angeklickt, weil die Titel nichtssagend sind.
Ändert die Kanzlei drei Seitentitel und schreibt einen neuen Ratgeber zum Fahrverbot, können über diese Seiten nach einigen Wochen erste Anfragen kommen.
Genau das leistet die Search Console: Sie zeigt nicht, was Sie vermuten, sondern was tatsächlich gesucht wird – und wie Ihre Seiten dabei abschneiden.
Schritt 1: Die Search Console einrichten
Rufen Sie die Search Console (externer Link) auf und melden Sie sich mit einem Google-Konto an. Am besten verwenden Sie ein Konto der Kanzlei, nicht das private Konto einer Mitarbeiterin.
Google bietet zwei Arten von Properties an (Google: Property hinzufügen (externer Link)):
| Art | Was sie umfasst | Bestätigung | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Domain-Property | Die ganze Domain mit allen Subdomains und Protokollen (http und https, mit und ohne www) | nur über einen DNS-Eintrag bei Ihrem Domain-Anbieter | erste Wahl, wenn Sie Zugriff auf die DNS-Einstellungen haben |
| URL-Präfix-Property | Nur Adressen, die mit dem angegebenen Präfix beginnen, z. B. https://www.ihre-kanzlei.de | mehrere Wege, etwa HTML-Datei oder Meta-Tag | wenn Sie keinen DNS-Zugriff haben |
Wenn Ihre Website von einer Agentur betreut wird, kann diese die Bestätigung für Sie übernehmen. Wichtig: Die Property sollte Ihrer Kanzlei gehören. Dienstleister bekommen Nutzerrechte, aber nicht das Eigentum.
Nach der Bestätigung reichen Sie Ihre Sitemap ein, meist unter /sitemap.xml. So findet Google alle Seiten schneller (Google: Sitemaps (externer Link)).
Schritt 2: Die vier wichtigsten Berichte
Die Search Console hat viele Bereiche. Für Kanzleien sind vier besonders nützlich.
Leistung: Wonach Mandanten suchen
Der Leistungsbericht zeigt, bei welchen Suchanfragen Ihre Website in der Google-Suche erscheint. Für jede Suchanfrage und jede Seite sehen Sie vier Werte (Google: Leistungsbericht (externer Link)):
| Wert | Bedeutung | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Klicks | Wie oft jemand aus der Suche auf Ihre Seite geklickt hat | Welche Seiten bringen wirklich Besucher? |
| Impressionen | Wie oft Ihre Seite in den Ergebnissen erschien | Wo gibt es Nachfrage, aber wenig Klicks? |
| Klickrate (CTR) | Klicks geteilt durch Impressionen | Niedrig bei vielen Impressionen? Titel und Beschreibung prüfen |
| Position | Durchschnittliche Platzierung | Seiten auf Position 5 bis 15 haben oft das größte Potenzial |
Standardmäßig zeigt der Bericht die letzten drei Monate. Sie können den Zeitraum ändern und nach Suchanfragen, Seiten, Ländern und Geräten filtern.
Seitenindexierung: Was Google kennt
Der Bericht zur Seitenindexierung zeigt, welche Ihrer Seiten im Google-Index sind und welche nicht – und warum (Google: Bericht zur Seitenindexierung (externer Link)). Nicht jede nicht indexierte Seite ist ein Problem. Weiterleitungen oder bewusst ausgeschlossene Seiten gehören dazu. Achten Sie aber darauf, ob wichtige Seiten wie Rechtsgebietsseiten fehlen.
URL-Prüfung: Wie Google eine einzelne Seite sieht
Mit dem URL-Prüftool geben Sie eine Adresse ein und sehen, ob die Seite indexiert ist, wann Google sie zuletzt besucht hat und welche Adresse Google als maßgeblich ansieht (Google: URL-Prüftool (externer Link)). Nach einer Überarbeitung können Sie die Seite live testen und die Indexierung beantragen. Eine Garantie für die Aufnahme ist das nicht, aber es beschleunigt den Vorgang oft.
Core Web Vitals: Wie schnell Ihre Seiten sind
Dieser Bericht zeigt, ob Ihre Seiten bei echten Besuchern schnell laden und stabil reagieren, getrennt nach Handy und Computer. Gerade für Kanzleien, deren Besucher überwiegend mobil suchen, ist das wichtig. Was hinter den Werten steckt, erklärt Google unter Core Web Vitals (externer Link); mehr dazu in Teil 10 dieser Serie.
Schritt 3: Mandantenfragen finden
Der wertvollste Teil der Search Console für Kanzleien ist der Blick auf die Suchanfragen. So finden Sie die Fragen Ihrer Mandanten:
- Leistung öffnen, Zeitraum auf zwölf Monate setzen. Je länger der Zeitraum, desto mehr Suchanfragen sehen Sie.
- Nach Fragewörtern filtern. Klicken Sie auf „Neu“, dann „Suchanfrage“ und wählen Sie „Suchanfragen mit“ und ein Wort wie „wie“, „was“, „wann“, „kosten“ oder „frist“.
- Nach Impressionen sortieren. Oben stehen die Fragen, bei denen Ihre Website am häufigsten erscheint.
- Fragen notieren, die Sie noch nicht gut beantworten. Jede davon ist ein Kandidat für einen FAQ-Eintrag, einen Abschnitt auf einer Rechtsgebietsseite oder einen Ratgeber.
- Mit den Personas abgleichen. Passen die Fragen zu den Mandanten, die Sie erreichen wollen? Mehr dazu in Teil 5 dieser Serie.
Schritt 4: Aus Daten werden Aufgaben
Die Search Console ist nur nützlich, wenn Sie aus den Zahlen etwas machen. Diese vier Muster kommen in Kanzleien am häufigsten vor:
| Muster | Was es bedeutet | Ihre Aufgabe |
|---|---|---|
| Viele Impressionen, wenig Klicks | Die Seite wird gefunden, überzeugt aber im Suchergebnis nicht | Seitentitel und Beschreibung konkreter formulieren (Google: Titellinks (externer Link), Snippets (externer Link)) |
| Position 5 bis 15 | Die Seite ist knapp vor dem Durchbruch | Inhalt ergänzen, offene Fragen beantworten, intern verlinken |
| Suchanfrage passt nicht zur Seite | Google zeigt eine unpassende Seite an | Eigene Seite für das Thema schreiben |
| Wichtige Seite nicht indexiert | Google kennt die Seite nicht oder hält sie für unwichtig | URL-Prüfung, interne Links, Sitemap prüfen |
Ihre 30-Minuten-Routine pro Monat
- 5 Minuten: Leistung der letzten 28 Tage mit dem Vormonat vergleichen. Klicks und Impressionen gestiegen oder gefallen?
- 10 Minuten: Neue Suchanfragen mit Fragewörtern prüfen und Themen notieren.
- 5 Minuten: Seiten mit vielen Impressionen und niedriger Klickrate heraussuchen.
- 5 Minuten: Seitenindexierung prüfen: Neue Fehler bei wichtigen Seiten?
- 5 Minuten: Eine konkrete Aufgabe für den nächsten Monat festlegen.
Häufige Missverständnisse
„Die Search Console zeigt alle Suchanfragen.“ Nicht ganz. Suchanfragen, die in zwei bis drei Monaten nur von wenigen Dutzend Nutzern gestellt wurden, zeigt Google zum Schutz der Privatsphäre nicht einzeln an. Sie stecken aber in den Gesamtwerten des Diagramms, das deshalb höhere Summen zeigen kann als die Tabelle (Google Search Central Blog: Filterung und Limits bei Leistungsdaten (externer Link)). Gerade bei Kanzleien mit sehr speziellen Themen kann das einen großen Teil ausmachen.
„Position 1 bedeutet viele Besucher.“ Die durchschnittliche Position ist ein Mittelwert. Bei lokalen Suchen kann zusätzlich die Karte vor den normalen Ergebnissen stehen. Entscheidend sind Klicks und am Ende die Anfragen.
„Die Search Console ersetzt eine Statistik.“ Nein. Sie zeigt nur, was in der Google-Suche passiert, nicht, was Besucher auf Ihrer Website tun. Wie Sie beides zusammenbringen, erklärt Teil 21 dieser Serie.
Die häufigsten Fehler
| Fehler | Folge | Besser so |
|---|---|---|
| Property auf das private Konto einer Mitarbeiterin | Zugriff geht verloren, wenn sie geht | Kanzlei-Konto als Inhaber, weitere Personen als Nutzer |
| Nur die www- oder nur die https-Variante eingerichtet | Daten unvollständig | Domain-Property nutzen |
| Keine Sitemap eingereicht | Neue Seiten werden langsamer gefunden | /sitemap.xml einreichen |
| Einmal eingerichtet, nie wieder angesehen | Chancen und Fehler bleiben unbemerkt | Monatliche 30-Minuten-Routine |
| Nur auf die Position schauen | Falsche Prioritäten | Impressionen, Klicks und Anfragen zusammen betrachten |
Ihre Checkliste
- Search Console mit einem Kanzlei-Konto einrichten, möglichst als Domain-Property.
- Sitemap einreichen.
- Dienstleister als Nutzer hinzufügen, nicht als Inhaber.
- Bing Webmaster Tools über den Import aus der Search Console einrichten.
- Fragen mit Fragewort-Filter suchen und notieren.
- Seiten mit vielen Impressionen und wenig Klicks überarbeiten.
- Monatliche Routine in den Kalender eintragen.
Häufige Fragen
Ist die Search Console wirklich kostenlos?
Ja. Sie brauchen nur ein Google-Konto und die Möglichkeit, die Website zu bestätigen.
Setzt die Search Console Cookies auf meiner Website?
Nein. Die Search Console wertet Daten aus der Google-Suche aus. Sie müssen dafür nichts auf Ihrer Website einbauen, außer gegebenenfalls einmalig einen Bestätigungscode.
Wie lange dauert es, bis ich Daten sehe?
Meist erscheinen die ersten Daten nach wenigen Tagen. Für aussagekräftige Auswertungen sollten Sie einige Wochen abwarten.
Was mache ich, wenn eine wichtige Seite nicht indexiert ist?
Prüfen Sie die Adresse mit dem URL-Prüftool. Häufige Ursachen sind fehlende interne Links, eine falsche robots.txt-Regel oder ein „noindex“-Hinweis auf der Seite. Nach der Korrektur können Sie die Indexierung beantragen.
Brauche ich zusätzlich die Bing Webmaster Tools?
Ja, der Aufwand ist gering. Bing ist die Grundlage für Microsoft Copilot, und Sie sehen dort, wie Ihre Website bei Bing abschneidet.
Quellen
- Website-Property zur Search Console hinzufügen (externer Link), Google
- Leistungsbericht (externer Link), Google
- Bericht zur Seitenindexierung (externer Link), Google
- URL-Prüftool (externer Link), Google
- Sitemaps – Übersicht (externer Link), Titellinks (externer Link), Snippets (externer Link), Core Web Vitals (externer Link), Google Search Central
- Details zur Filterung und zu Limits bei Leistungsdaten in der Search Console (externer Link), Google Search Central Blog, 19. Oktober 2022
- Import sites from Search Console to Bing Webmaster Tools (externer Link), Microsoft Bing