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Arbeitgebermarke: Fachkräfte über die Website gewinnen

Gute Mitarbeitende sind für viele Kanzleien inzwischen schwerer zu finden als neue Mandate. Die eigene Website ist dabei oft der erste Ort, an dem sich Bewerberinnen und Bewerber ein Bild machen. Dieser Leitfaden zeigt, wie eine Karriereseite aussieht, die überzeugt, wie Stellenanzeigen in der Google-Jobsuche erscheinen und welche Regeln dabei gelten.

Teilweise ohne Werbebudget Teilweise Budget nötig Aktualisiert am 6 Min. Lesezeit von Miklós Bognár Veröffentlicht am

Warum die Bewerberin nie kam

Ein typisches Beispiel: Eine Kanzlei sucht seit Monaten eine Rechtsanwaltsfachangestellte. Die Stellenanzeige auf einem Portal bekommt einige Aufrufe, aber kaum Bewerbungen. Eine Interessentin schaut sich die Kanzlei-Website an: kein Wort zu Arbeitszeiten, Team oder Arbeitsplatz, nur ein Satz „Wir suchen engagierte Mitarbeiter (m/w/d)“ ohne Ansprechperson. Sie bewirbt sich bei einer anderen Kanzlei, deren Website Fotos des Teams zeigt, flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Tage nennt und eine Bewerbung ohne Anschreiben möglich macht.

Bewerberinnen und Bewerber prüfen Arbeitgeber genauso gründlich wie Mandanten ihre Kanzlei. Und sie haben heute oft die Wahl.

Wen Kanzleien suchen – und was diese Menschen wissen wollen

ZielgruppeWas sie vor allem wissen will
RechtsanwaltsfachangestellteArbeitszeiten, Teilzeit und Homeoffice, Gehalt, Team, Arbeitsorganisation, Technik (beA, Kanzleisoftware)
AuszubildendeWie läuft die Ausbildung ab, wer betreut mich, Vergütung, Übernahmechancen
Berufseinsteigende Anwältinnen und AnwälteRechtsgebiete, Einarbeitung, Mandantenkontakt, Fachanwaltsausbildung, Entwicklungschancen
Erfahrene Anwältinnen und AnwälteVerantwortung, Partnerperspektive, Vergütungsmodell, Freiheit in der Mandatsführung
Quereinsteiger, etwa aus Verwaltung oder WirtschaftEinarbeitung, Weiterbildung, Wertschätzung

Schritt 1: Die Karriereseite

Eine eigene Seite „Karriere“ oder „Jobs“ ist das Herzstück. Sie bleibt dauerhaft online, auch wenn gerade keine Stelle offen ist.

BausteinInhalt
EinleitungWer Sie sind, was die Arbeit bei Ihnen ausmacht – in drei Sätzen
TeamFotos und kurze Zitate echter Mitarbeitender (mit deren Einwilligung)
ArbeitsbedingungenArbeitszeiten, Teilzeit, Homeoffice, Urlaub, Fortbildung, Technik
GehaltMindestens eine Spanne oder die Aussage, wie Sie vergüten
AusbildungAblauf, Betreuung, Übernahme
Offene StellenListe mit Link zu jeder Stellenanzeige
BewerbungSo einfach wie möglich: Ansprechperson, Telefon, E-Mail, was Sie brauchen
InitiativbewerbungHinweis, dass auch ohne konkrete Stelle Bewerbungen willkommen sind

Wichtiger als Hochglanz ist Ehrlichkeit. Beschreiben Sie, wie die Arbeit bei Ihnen wirklich ist – auch die anstrengenden Seiten wie Fristendruck. Wer weiß, worauf er sich einlässt, bleibt länger.

Schritt 2: Stellenanzeigen, die gelesen werden

Aufbau

  1. Klarer Titel: „Rechtsanwaltsfachangestellte (m/w/d) in Teilzeit oder Vollzeit“ – ohne Fantasiebezeichnungen.
  2. Ein Satz zur Kanzlei: Wer Sie sind, wo, welche Rechtsgebiete.
  3. Aufgaben: Fünf bis sieben konkrete Punkte.
  4. Was Sie erwarten: Nur, was wirklich nötig ist. Lange Wunschlisten schrecken gute Bewerberinnen ab.
  5. Was Sie bieten: Konkret statt „attraktive Vergütung“ – Arbeitszeiten, Homeoffice-Tage, Fortbildung, Gehaltsspanne.
  6. So bewerben Sie sich: Ansprechperson mit Namen, Telefon, E-Mail, gewünschte Unterlagen.

Diskriminierungsfrei formulieren

Ein Arbeitsplatz darf nicht unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot ausgeschrieben werden (§ 11 AGG (externer Link)). Verbreitete Praxis ist deshalb der Zusatz „(m/w/d)“ oder eine geschlechtsneutrale Formulierung. Vermeiden Sie außerdem Formulierungen, die auf Alter, Herkunft oder andere geschützte Merkmale zielen, etwa „junges Team sucht junge Verstärkung“ oder „Deutsch als Muttersprache“. Wenn Sprachkenntnisse wichtig sind, beschreiben Sie das benötigte Niveau.

Schritt 3: In der Google-Jobsuche erscheinen

Google zeigt Stellenanzeigen in einer eigenen Jobsuche an, mit Filtern nach Ort, Titel und weiteren Merkmalen. Dafür brauchen Ihre Stellenanzeigen strukturierte Daten vom Typ JobPosting. Pflichtangaben sind unter anderem Stellentitel, Beschreibung, Datum der Veröffentlichung, Arbeitgeber und Arbeitsort (Google: Strukturierte Daten für Stellenausschreibungen (externer Link)).

Wichtige Hinweise:

  • Eine Seite pro Stelle, nicht alle Stellen auf einer Seite.
  • Nur offene Stellen auszeichnen und besetzte Stellen entfernen oder als abgelaufen kennzeichnen.
  • Gehalt angeben, wenn möglich – das macht die Anzeige in der Jobsuche attraktiver.
  • Ergebnis prüfen mit dem Test für Rich-Suchergebnisse (externer Link).

Viele Content-Management-Systeme und Bewerbermanagement-Programme erzeugen diese Daten automatisch. Fragen Sie Ihren Dienstleister.

Schritt 4: Reichweite ohne Portalkosten

  • Google-Unternehmensprofil: Ein Beitrag mit Link auf die Stellenanzeige (Teil 12 dieser Serie).
  • LinkedIn: Stellenanzeige auf der Kanzleiseite und Beiträge der Anwältinnen und Anwälte (Teil 25 dieser Serie).
  • Mitarbeitende als Botschafter: Wer gern bei Ihnen arbeitet, teilt die Anzeige im eigenen Netzwerk.
  • Kammer und Berufsschule: Ausbildungsplätze bei der Kammer und in Berufsschulen bekannt machen.
  • Hochschulen und Referendariat: Für Anwältinnen und Anwälte: Praktika, Stationen im Referendariat, Lehraufträge.

Schritt 5: Ein schneller, einfacher Bewerbungsprozess

Gute Bewerberinnen haben oft mehrere Angebote. Wer schnell und freundlich reagiert, gewinnt.

  1. Eingangsbestätigung am selben Tag, mit Hinweis, wann Sie sich melden.
  2. Bewerbung ohne Anschreiben ermöglichen, besonders für Fachangestellte und Auszubildende. Ein Lebenslauf reicht für den ersten Schritt.
  3. Rückmeldung innerhalb einer Woche, auch bei Absagen.
  4. Kennenlernen statt Verhör: Ein Gespräch mit Einblick in die Kanzlei, gern mit einem Teammitglied.
  5. Zügige Entscheidung und ein klares Angebot.

Datenschutz bei Bewerbungen

Bewerbungsdaten dürfen verarbeitet werden, soweit dies für die Entscheidung über die Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses erforderlich ist (§ 26 BDSG (externer Link)). Für die Praxis heißt das:

  • Informieren Sie Bewerberinnen und Bewerber über die Verarbeitung ihrer Daten, etwa mit einem Hinweis auf der Karriereseite.
  • Nutzen Sie einen sicheren Weg für Bewerbungen, etwa eine eigene E-Mail-Adresse mit eingeschränktem Zugriff oder ein Bewerbermanagement mit Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
  • Löschen Sie Unterlagen nach Abschluss des Verfahrens innerhalb einer angemessenen Frist, es sei denn, die Person hat in eine längere Speicherung eingewilligt.
  • Leiten Sie Bewerbungen nur an die Personen weiter, die an der Entscheidung beteiligt sind.

Die häufigsten Fehler

FehlerFolgeBesser so
Keine KarriereseiteBewerber finden keine InformationenDauerhafte Karriereseite
Floskeln statt FaktenKeine Unterscheidung von anderen KanzleienKonkrete Arbeitsbedingungen, Gehaltsspanne
Lange AnforderungslistenGute Bewerberinnen trauen sich nichtNur wirklich Nötiges
Formulierungen mit Bezug auf Alter oder HerkunftBenachteiligungsrisiko nach AGGNeutral formulieren
Alle Stellen auf einer Seite ohne strukturierte DatenKeine Sichtbarkeit in der Google-JobsucheEine Seite pro Stelle mit JobPosting
Wochenlang keine RückmeldungBewerber sind wegEingangsbestätigung sofort, Antwort in einer Woche

Ihre Checkliste

  1. Karriereseite mit Team, Arbeitsbedingungen und Bewerbungsweg anlegen.
  2. Gehalt oder Gehaltsspanne nennen.
  3. Stellenanzeigen nach dem Sechs-Punkte-Aufbau schreiben.
  4. Formulierungen auf Diskriminierungsfreiheit prüfen.
  5. Eine Seite pro Stelle mit strukturierten Daten anlegen.
  6. Stellen im Google-Profil und auf LinkedIn teilen.
  7. Bewerbungsprozess mit festen Reaktionszeiten einführen.
  8. Datenschutzhinweis für Bewerbende ergänzen und Löschfristen festlegen.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Karriereseite für eine kleine Kanzlei?

Ja. Schon eine Seite mit Team, Arbeitsbedingungen und Bewerbungsweg kann Ihnen einen Vorteil verschaffen gegenüber Kanzleien, die nur eine kurze Anzeige auf einem Portal schalten.

Muss ich das Gehalt angeben?

Nicht zwingend. Eine Gehaltsspanne macht Anzeigen aber deutlich attraktiver und spart beiden Seiten Zeit.

Wie erscheint meine Stellenanzeige in der Google-Jobsuche?

Mit strukturierten Daten vom Typ JobPosting auf einer eigenen Seite pro Stelle. Viele Systeme erzeugen sie automatisch.

Was bedeutet „(m/w/d)“ in Stellenanzeigen?

Der Zusatz macht deutlich, dass sich die Stelle an alle Geschlechter richtet. Er ist eine verbreitete Art, eine diskriminierungsfreie Ausschreibung nach dem AGG umzusetzen.

Wie lange darf ich Bewerbungsunterlagen aufbewahren?

So lange, wie es für das Verfahren und mögliche Rechtsstreitigkeiten erforderlich ist, danach werden sie gelöscht. Für eine längere Aufbewahrung, etwa für spätere Stellen, brauchen Sie die Einwilligung der Person.

Quellen