Leadgenerierung

KI-Sichtbarkeit für Kanzleien

Immer mehr Menschen stellen ihre Frage nicht mehr in ein Suchfeld, sondern einer KI. Die gute Nachricht: Was dort zählt, ist zum großen Teil dasselbe, was Kanzleien ohnehin stark macht.

Ohne Werbebudget Aktualisiert am 8 Min. Lesezeit von Miklós Bognár

Was sich gerade verändert

Wer früher „Kündigung was tun“ gegoogelt hat, bekam zehn Links. Heute steht über diesen Links oft eine KI-Zusammenfassung. Daneben fragen viele Menschen direkt ChatGPT, Microsoft Copilot oder Perplexity. Diese Systeme lesen Websites, fassen sie zusammen und nennen manchmal Quellen oder konkrete Kanzleien.

Für Kanzleien bedeutet das zweierlei. Einfache Wissensfragen werden häufiger direkt in der Antwort beantwortet, ohne Klick auf eine Website. Wer aber eine Kanzlei sucht, bekommt zunehmend Empfehlungen – und dort wollen Sie genannt werden.

Was Google offiziell sagt

Google hat eine eigene Seite zu seinen KI-Funktionen wie den Übersichten mit KI und dem KI-Modus veröffentlicht (Google Search Central: KI-Funktionen und deine Website (externer Link)). Die wichtigsten Aussagen:

  • Für diese Funktionen gibt es keine zusätzlichen Anforderungen. Es gelten die normalen Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung.
  • Spezielle KI-Textdateien oder besonderes Schema-Markup sind laut Google dafür nicht nötig.
  • Eine Seite muss indexiert sein und als Snippet angezeigt werden dürfen. Wer das nicht möchte, steuert es mit den bekannten Anweisungen wie nosnippet oder noindex.

Das ist eine gute Nachricht. Es gibt keinen geheimen Trick. Wer gute, vertrauenswürdige Inhalte hat und technisch sauber arbeitet, ist auch für KI-Antworten gut aufgestellt.

Vertrauen ist das Fundament

Google beschreibt in seinen Leitlinien für hilfreiche Inhalte das Konzept E-E-A-T: Erfahrung, Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. E-E-A-T ist laut Google kein eigener Rankingfaktor, sondern beschreibt, was gute Inhalte ausmacht. Der wichtigste Teil ist die Vertrauenswürdigkeit. Bei Themen, die etwa die finanzielle Stabilität oder die Sicherheit von Menschen betreffen, gewichten Googles Systeme diese Signale stärker (Google Search Central: Hilfreiche Inhalte erstellen (externer Link)). Viele Rechtsfragen berühren genau das – etwa bei einer Kündigung, einer Scheidung oder einem Strafverfahren.

So zeigen Sie Vertrauen auf Ihrer Website:

  • Wer schreibt? Jeder Fachbeitrag nennt die Autorin oder den Autor mit Zulassung, Schwerpunkt und Werdegang.
  • Wann? Ein sichtbares Datum der letzten Aktualisierung. Rechtslagen ändern sich.
  • Woher? Gesetze, Urteile und Behördenseiten werden verlinkt, nicht nur erwähnt.
  • Wer steht dahinter? Vollständiges Impressum, echte Fotos, nachvollziehbare Kontaktwege.

Genau diese Angaben verwenden auch KI-Systeme, wenn sie entscheiden, welche Quelle sie zitieren.

Welche KI-Crawler Sie kennen sollten

KI-Anbieter schicken eigene Programme, sogenannte Crawler, über das Netz. Mit der Datei robots.txt auf Ihrer Website entscheiden Sie, welche davon Ihre Seiten lesen dürfen. Wichtig ist: Bei den großen Anbietern gibt es getrennte Crawler für Training und für Suche.

AnbieterCrawlerWofürUnsere Empfehlung
OpenAIOAI-SearchBotSichtbarkeit in der ChatGPT-Suchezulassen
OpenAIChatGPT-UserAbruf, wenn ein Nutzer eine Seite anfragtzulassen
OpenAIGPTBotTraining von KI-ModellenIhre Entscheidung
AnthropicClaude-SearchBotSuchqualität in Claudezulassen
AnthropicClaude-UserAbruf auf Nutzeranfragezulassen
AnthropicClaudeBotTraining von KI-ModellenIhre Entscheidung
MicrosoftBingbotBing-Suche und damit auch Copilotunbedingt zulassen
GoogleGooglebotGoogle-Suche inklusive KI-Funktionenunbedingt zulassen

OpenAI erklärt ausdrücklich, dass diese Einstellungen unabhängig voneinander sind. Wer GPTBot sperrt, kann trotzdem in der ChatGPT-Suche erscheinen, solange OAI-SearchBot zugelassen ist (OpenAI: Übersicht der Crawler (externer Link)). Anthropic beschreibt seine drei Crawler ähnlich und empfiehlt zur Steuerung ebenfalls die robots.txt (Anthropic: Crawler-Hinweise (externer Link)).

Bing ist der Schlüssel zu Copilot

Microsoft sagt in seinen Richtlinien für Websitebetreiber ausdrücklich, dass Bing und Copilot auf demselben Fundament aus Crawling, Indexierung und Ranking beruhen. Gute SEO-Grundlagen verbessern deshalb auch die Chance, in Copilot und in KI-Antworten von Bing als Quelle zu erscheinen (Bing Webmaster Guidelines (externer Link)). Für Microsoft 365 Copilot beschreibt Microsoft zudem, dass die Websuche Anfragen an Bing schickt und die Antwort auf diesen Ergebnissen aufbaut (Microsoft Learn: Websuche in Copilot (externer Link)). Wer in Bing nicht gut gefunden wird, hat es in Copilot schwer.

Deshalb lohnen sich drei Schritte, für die keine Gebühren anfallen:

  1. Bing Webmaster Tools einrichten (bing.com/webmasters (externer Link)). Die Daten aus der Google Search Console lassen sich dort übernehmen.
  2. KI-Leistung beobachten. Seit Februar 2026 zeigt Bing in den Webmaster Tools in einem Bericht, wie oft Ihre Seiten in Copilot und in KI-Antworten von Bing zitiert werden (Bing Webmaster Blog (externer Link)).
  3. IndexNow nutzen. Mit diesem offenen Protokoll melden Sie neue oder geänderte Seiten sofort an Bing, Naver, Seznam, Yandex und Yep. Google nimmt daran nicht teil (indexnow.org (externer Link)).

Inhalte, die KI-Systeme gern zitieren

KI-Systeme suchen Antworten, die sich klar herauslösen lassen. Was Menschen beim Lesen hilft, hilft auch hier:

  • Die Antwort zuerst. Beginnen Sie Abschnitte mit dem Ergebnis, dann folgt die Erklärung. Beispiel: „Gegen eine Kündigung können Sie innerhalb von drei Wochen Klage beim Arbeitsgericht erheben.“ Danach kommen Einzelheiten und Ausnahmen.
  • Klare Überschriften als Fragen. So, wie Menschen sie stellen: „Was kostet eine Scheidung?“ statt „Kostenaspekte“.
  • Häufige Fragen als eigener Abschnitt. Kurze Fragen, kurze Antworten, sauber ausgezeichnet.
  • Zahlen mit Quelle und Datum. „Stand: Oktober 2026“ wirkt unscheinbar, ist aber ein starkes Vertrauenssignal.
  • Ein Thema pro Seite. Eine gründliche Seite zur Kündigungsschutzklage schlägt einen Sammelartikel über das gesamte Arbeitsrecht.

Ihre Kanzlei als „Entität“

KI-Systeme verknüpfen Informationen aus vielen Quellen zu einem Bild Ihrer Kanzlei: Name, Standort, Schwerpunkte, Personen. Je einheitlicher diese Angaben überall sind, desto sicherer wird das Bild. Und je sicherer das Bild, desto eher wird die Kanzlei genannt.

  • Kanzleiname, Adresse und Telefonnummer überall identisch – auf der Website, im Google-Profil, bei Bing, bei Apple und in Verzeichnissen.
  • Strukturierte Daten auf der Website, zum Beispiel mit dem Typ LegalService (externer Link), sowie Angaben zu den Anwältinnen und Anwälten.
  • Erwähnungen auf vertrauenswürdigen Seiten: Kammer- und Vereinsverzeichnisse, Fachbeiträge, Vorträge, lokale Presse.

llms.txt: sinnvoll, aber kein Standard

Vielleicht haben Sie von der Datei llms.txt gehört. Sie ist ein Vorschlag für eine kurze Übersichtsdatei im Markdown-Format, die KI-Systemen zeigt, welche Seiten einer Website wichtig sind (llmstxt.org (externer Link)). Wichtig für die Einordnung:

  • Es ist kein offizieller Standard, sondern ein Vorschlag.
  • Google sagt ausdrücklich, dass für seine KI-Funktionen keine speziellen KI-Textdateien nötig sind.

Unsere Einschätzung: Eine llms.txt schadet nicht und ist schnell erstellt. Sie ersetzt aber keine gute Website. Dieses Portal hat selbst eine – zusammen mit einer Markdown-Fassung jeder Seite. Wir beobachten in unserer eigenen Statistik, ob und wie oft KI-Crawler sie abrufen.

Testen und messen

KI-Antworten ändern sich ständig und unterscheiden sich von Person zu Person. Ein einzelner Test sagt wenig. Ein fester monatlicher Ablauf zeigt dagegen Tendenzen.

Der monatliche Test

Stellen Sie jeden Monat dieselben Fragen in ChatGPT, Microsoft Copilot, Perplexity und der Google-Suche mit KI-Übersicht. Notieren Sie, ob Ihre Kanzlei genannt oder verlinkt wird und welche Mitbewerber auftauchen.

Testfrage (Beispiel)Genannt?Verlinkt?Wer stattdessen?
Welche Kanzlei hilft bei einer Kündigung in [Stadt]?
Anwalt für Verkehrsrecht in [Stadt] – wen empfiehlst du?
Was kostet eine Erstberatung im Familienrecht?
[Ihr Kanzleiname] – Erfahrungen und Schwerpunkte?

Die letzte Frage ist besonders aufschlussreich: Sie zeigt, was KI-Systeme über Ihre Kanzlei „wissen“ – und ob es stimmt.

Besucher aus KI-Diensten erkennen

Wer in einer KI-Antwort auf einen Link klickt, kommt mit einer erkennbaren Herkunft auf Ihre Website, etwa von chatgpt.com, perplexity.ai oder copilot.microsoft.com. Jede Website-Statistik zeigt diese verweisenden Seiten. Unsere eigene, cookiefreie Statistik erfasst zusätzlich, welche KI-Crawler welche Seiten lesen.

Die häufigsten Fehler

FehlerFolgeBesser so
KI-Crawler pauschal gesperrtunsichtbar in ChatGPT-Suche und Co.Such-Crawler zulassen
Bing ignoriertschwach in CopilotBing Webmaster Tools und IndexNow
Texte ohne Autor und Datumwenig VertrauenAutorenbox und Aktualisierungsdatum
Uneinheitliche Kanzleidatenunsicheres Bild der Kanzleiüberall identische Angaben
Auf llms.txt allein setzenkaum WirkungInhalte und Technik zuerst

Häufige Fragen zur KI-Sichtbarkeit

Kann ich mich in ChatGPT-Antworten einkaufen?

Nicht so, wie man es von Suchanzeigen kennt. Ob Ihre Kanzlei in KI-Antworten genannt wird, hängt vor allem von Ihren Inhalten, Ihrer Bekanntheit und einheitlichen Daten ab.

Brauche ich eine llms.txt?

Sie ist ein Vorschlag und kein Standard. Google benötigt sie für seine KI-Funktionen ausdrücklich nicht. Sie schadet aber nicht und ist schnell erstellt.

Sollte ich KI-Training erlauben?

Das ist Ihre Entscheidung. Für die Sichtbarkeit in der ChatGPT-Suche reicht es, den Such-Crawler OAI-SearchBot zuzulassen. Den Trainings-Crawler GPTBot können Sie getrennt davon sperren.

Wie messe ich, ob KI mir Mandanten bringt?

Über verweisende Seiten in Ihrer Statistik, über Bings Bericht zur KI-Leistung und über die Frage im Erstgespräch, wie jemand auf Sie aufmerksam geworden ist. Ergänzend hilft der monatliche Test mit festen Fragen.

Beantwortet die KI meine Rechtsfragen jetzt selbst?

Allgemeine Fragen werden häufiger direkt beantwortet. Wer aber konkret Hilfe braucht, sucht eine Kanzlei. Genau dafür wollen Sie in den Antworten auftauchen.

Quellen